FILMKRITIKEN & ENTDECKUNGEN / 77 zweisprachige Artikel · 258 Videos zum Entdecken
← Zurück zu den FilmenFILMKRITIK / 2024

Nosferatu – Der Untote (2024): Kritik

Robert Eggers interpretiert den ikonischen Stummfilmklassiker „Nosferatu“ neu.

Nosferatu – Der Untote 🕯️ Ist Robert Eggers’ Horror ein Meisterwerk?
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Robert Eggers interpretiert den ikonischen Stummfilmklassiker „Nosferatu“ neu. Der Film baut auf dem Meisterwerk von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922 auf, ohne eine bloße Kopie zu sein. Eggers schafft es, dem Original Tribut zu zollen, während er zugleich eine eigene künstlerische Handschrift einfließen lässt.

Die Handlung folgt dem jungen Immobilienmakler Thomas Hutter, gespielt von Nicholas Hoult, der in die Karpaten reist, um einen Vertrag mit dem mysteriösen Grafen Orlok abzuschließen. Bill Skarsgård übernimmt die Rolle dieses legendären Vampirs und beeindruckt mit einer Darstellung, die Max Schrecks unvergessliche Performance ehrt, ohne sie zu imitieren. Unter einer dichten Schicht aus Make-up und mit einer tiefen, beinahe hypnotischen Präsenz verkörpert Skarsgård einen unheimlichen, animalischen und zugleich tragischen Charakter. Die Spannung zwischen seiner Monstrosität und der subtilen Melancholie ist bemerkenswert.

Die Dynamik des Films wird zusätzlich durch Lily-Rose Depp als Ellen, Hutters Frau, verstärkt. Depp verleiht Ellen Tiefe und Emotionalität. Ihre Figur ist mehr als nur das Objekt der Begierde von Orlok; sie kämpft mit inneren Konflikten und einer düsteren Vergangenheit, die sie gleichzeitig verletzlich und stark erscheinen lassen. Hoult wiederum zeigt als Hutter eine gelungene Mischung aus Naivität, Pflichtbewusstsein und der verzweifelten Liebe zu seiner Frau.

Visuell ist "Nosferatu – Der Untote" ein Meisterwerk. Kameramann Jarin Blaschke fängt die düstere und unheilvolle Atmosphäre der transsylvanischen Landschaft sowie die klaustrophobische Enge der Szenen in Orloks Schloss meisterhaft ein. Die Farbpalette ist geprägt von gedeckten Tönen, die an den deutschen Expressionismus erinnern, jedoch durch moderne Technik verfeinert werden. Schattenspiele und das Spiel mit Licht und Dunkelheit verleihen dem Film eine zeitlose Qualität, die sich perfekt in Eggers’ Regiestil einfügt.

Die Regie selbst ist eine weitere Stärke des Films. Die Ausstattung und die körperliche Präsenz der Effekte verleihen den Bildern eine greifbare, fast haptische Intensität. Jeder Moment ist sorgfältig durchdacht, und die Inszenierung der ikonischen Begegnungen zwischen Hutter und Orlok hat eine fast opernhafte Qualität. Es sind diese Details, die den Film von anderen modernen Horrorproduktionen abheben und ihm eine eigene Identität verleihen.

Allerdings ist der Film nicht ohne Schwächen. Die Handlung wurde im Vergleich zum Original erweitert, insbesondere durch Ellens Hintergrundgeschichte. Diese Ergänzungen fügen zwar Tiefe hinzu, führen jedoch an einigen Stellen zu einem verlangsamten Erzähltempo. Es entsteht der Eindruck, dass Eggers manchmal zu viel auf einmal erzählen möchte, was den Fokus gelegentlich verwässert. Die zusätzlichen Szenen lassen den Film an manchen Stellen etwas länger erscheinen, als es notwendig wäre.

Dennoch überwiegen die Stärken bei weitem. Die Leistungen der Schauspieler, die visuelle Brillanz und die atmosphärische Dichte machen "Nosferatu – Der Untote" zu einem außergewöhnlichen Kinoerlebnis. Es ist ein Film, der nicht nur Fans des Originals anspricht, sondern auch ein neues Publikum für diese zeitlose Geschichte begeistern kann.

Der Film bietet eine immersive und emotionale Reise, die sowohl durch Horror als auch durch tragische Schönheit besticht. Eggers zeigt erneut, dass er ein Meister darin ist, alte Geschichten neu zu erzählen, ohne deren Essenz zu verlieren. "Nosferatu – Der Untote" ist ein herausragendes Beispiel für modernes Horrorkino, das Tradition und Innovation in perfektem Einklang verbindet.

Diese Neuinterpretation von "Nosferatu" ist ein beeindruckender und faszinierender Film, der dem klassischen Stoff neue Facetten abgewinnt. Mit grandiosen schauspielerischen Leistungen, einer einzigartigen visuellen Ästhetik und einer respektvollen, aber mutigen Herangehensweise zeigt Eggers, dass er einer der spannendsten Regisseure seiner Generation ist.

Die Kritik auf YouTubeDu schaust lieber zu? Dieser Artikel gehört zur veröffentlichten filmbuZZer-Kritik.Kritik auf YouTube ansehen
Werbung · Amazon-Partnerlinks

Den Film zu Hause ansehen

Digital ansehen

Leih- und Kaufoptionen für Deutschland. Die aktuellen Konditionen findest du bei Prime Video.

Für deine Filmsammlung

Format, Tonspuren und aktuelle Verfügbarkeit findest du auf der Produktseite bei Amazon.

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Durch die Nutzung dieser Links entstehen dir keine zusätzlichen Kosten.