DAS UNABHÄNGIGE FILMJOURNAL · SEIT 2019HorrOctober2026
filmbuZZer
← Zurück zu den FilmenFILMKRITIK / 2026

Other Mommy: Hinter der unheimlichen Fassade fehlt der stärkere Film

Jessica Chastain lässt Zuneigung bedrohlich wirken. Rob Savage entscheidet sich aber zu oft für den nächsten Schock statt für eine überzeugende emotionale Falle.

Other Mommy: Hinter der unheimlichen Fassade fehlt der stärkere Film
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Ein vertrautes Gesicht wird zur Bedrohung

Wenn das Gesicht, dem du am meisten vertraust, plötzlich das ist, wovor du dich fürchtest: Wohin kannst du dann noch gehen? Other Mommy hat darauf eine ziemlich fiese Antwort. Aber hält diese Angst auch an? Other Mommy ist Rob Savages übernatürlicher Horrorfilm nach Josh Malermans Roman Incidents Around the House. In den USA lief er am 9. Oktober im Kino an. Jessica Chastain spielt eine Mutter und das Wesen, das ihr Gesicht trägt. Allein das ist ein guter Grund, aufmerksam zu werden.

Der Besuch weiß, was Bela fehlt

Die kleine Bela hat eine Freundin, von der ihre Eltern nichts wissen. Sie nennt sie Other Mommy. Die Besucherin möchte die Erlaubnis, in Belas Herz einzuziehen. Gleichzeitig ist die Beziehung ihrer wirklichen Eltern bereits angespannt. Etwas, das grenzenlose Liebe verspricht, hat genau die richtige Schwachstelle gefunden.

Chastain macht aus Zuspruch eine Drohung

Das Beste am Film ist Chastain. Ihr Lächeln bleibt einen Moment zu lange stehen. Die Zuneigung klingt einstudiert. Sie lässt schon einfache beruhigende Worte bedrohlich wirken, noch bevor die Effekte ihren Körper verzerren. Diese kleinen Einzelheiten sind unheimlicher als die großen Verwandlungen. Je weniger das Wesen tut, desto genauer schaut man hin.

Die Erwachsenen erkennen die Gefahr

Savage erspart uns außerdem eine vertraute Geduldsprobe. Die Eltern verbringen nicht den gesamten Film damit, ihrer Tochter nicht zu glauben. Sie erkennen die Gefahr und versuchen zu reagieren. Gut so. Wir können uns direkt dem Problem widmen, statt darauf zu warten, dass die Erwachsenen endlich begreifen, was los ist.

Der Familie fehlt der Raum

Dieses schnelle Vorankommen hat allerdings seinen Preis. Der Film lässt der Familie zu wenig Raum, um wirklich greifbar zu werden, bevor der Albtraum alles übernimmt. Belas Einsamkeit sollte uns in die Geschichte hineinziehen. Zu oft liefert sie nur den nächsten Anlass, alle in eine weitere gruselige Situation zu befördern. Arabella Olivia Clark gibt Bela eine Verletzlichkeit, die den Film mit zusammenhält. Das Drehbuch unterbricht diese menschlichen Momente jedoch ständig. Die Eltern haben auch jenseits des Monsters Probleme, aber der Film hetzt darüber hinweg. Wir verstehen die Idee einer zerfallenden Familie. Von der gemeinsamen Geschichte dahinter spüren wir zu wenig.

Zu viele Schocks schwächen die Angst

Dann wären da die Schreckmomente. Savage setzt auf verzerrte Körper, plötzliche Erscheinungen und eine rastlose Kamera. Einige Bilder sitzen. Wenn aber fast alles schockieren will, fühlen sich die ruhigeren Momente nicht mehr wie eine echte Verschnaufpause an. Man wartet nur noch auf die nächste laute Unterbrechung. Dazu lassen die digitalen Effekte manche Bewegungen des Wesens weniger überzeugend wirken. Das nimmt der Bedrohung ihre Schärfe.

Ein Angebot, das nicht genug verführt

Beim zentralen Versprechen verliert der Film am deutlichsten den Halt. Other Mommy soll Bela etwas bieten, das sie zu Hause nicht bekommt. Dabei ist sie so offensichtlich furchteinflößend, dass die Versuchung nie stark genug wirkt. Zeigt uns, warum ein einsames Kind diese Besucherin gern um sich haben könnte. Ohne diese Verbindung ist die emotionale Falle deutlich weniger interessant, als sie sein müsste.

Fazit

Wer eine schnelle Fahrt durch übernatürlichen Horror sucht, kann hier trotzdem etwas Spaß haben. Chastain gibt alles, das Tempo gerät selten ins Stocken, und Savage kann ein starkes Bild inszenieren. Der Film entscheidet sich aber immer wieder für den nächsten Schreckmoment, statt einen besseren Grund zum Mitfühlen zu liefern. Bei 93 Minuten wirkt er geschäftig, aber nicht wirklich ausgearbeitet. Hinter einem einprägsamen Gesicht müsste ein stärkerer Film stehen. Ich gebe Other Mommy vier von zehn Punkten.

Die Kritik auf YouTubeDu schaust lieber zu? Dieser Artikel gehört zur veröffentlichten filmbuZZer-Kritik.Kritik auf YouTube ansehen