Ein Gesicht, eine Karriere und ein Ausweg
Was geschieht, wenn man sein Leben zurückbekommt, dabei aber die Kontrolle über sich selbst verliert? Clayface macht aus dieser Frage einen unbequemen Körperhorror-Thriller. Regisseur James Watkins erzählt von Matt Hagen, einem aufstrebenden Schauspieler, dessen Karriere nach einem brutalen Angriff zusammenbricht. Tom Rhys Harries spielt Matt; Naomi Ackie verkörpert die Ärztin, die ihm eine experimentelle Rückkehr anbietet. International startete der Film am 21. Oktober, der nordamerikanische Kinostart folgt am 23. Oktober.
Harries macht die Versuchung greifbar
Der Ausgangspunkt hat einen bitteren Haken. Matt will nicht einfach gesund werden. Seine ganze Zukunft hängt davon ab, für andere ansehnlich zu sein. Eine Behandlung, die ihm sein altes Gesicht verspricht, verspricht zugleich sein altes Leben. Deshalb ist seine Versuchung leicht nachzuvollziehen. Am stärksten ist der Film, solange beides untrennbar erscheint. Harries verleiht dieser Verzweiflung Gewicht: Neben Wut zeigt er Scham und das Bedürfnis nach Anerkennung. Er lässt Matt nicht zu einem weiteren verletzten Mann werden, der nur auf seine Kräfte wartet. Selbst wenn die Geschichte eine vertraute Wendung nimmt, bleibt unter den Effekten ein Mensch erkennbar. Das ist entscheidend für einen Film über einen Körper, der sich immer schwerer kontrollieren lässt.
Abhängigkeit und spürbarer Schrecken
Ackie sorgt dafür, dass sich die Behandlung wie eine Beziehung anfühlt und nicht bloß wie ein Handlungstrick. Matt braucht, was diese Ärztin ihm geben kann. Aus Hilfe wird Abhängigkeit; gesund zu werden bedeutet plötzlich nicht unbedingt, frei zu sein. Diese Spannung ist interessanter als eine weitere Erklärung der Behandlung. Auch die körperlichen Effekte gehören zu den Stärken. Unangenehme Texturen und Veränderungen in Matts Gesicht machen die Beschädigung greifbar. Wenn der Film diese Instabilität auskosten kann, findet er etwas Unheimlicheres als die übliche Enthüllung einer Superkraft. In der Nachtclubsequenz kann der veränderliche Körper zudem zur Action werden. In solchen Momenten fühlt sich das wie eine sinnvolle neue Richtung für DC an.
Eine vertraute Rachegeschichte
Die Geschichte ist allerdings weniger wagemutig als ihre Prämisse. Sobald Rache die Handlung bestimmt, lässt sich ihr Weg leichter voraussehen. Die Nebenfiguren haben nicht immer genügend Eigenleben jenseits dessen, was Matt von ihnen braucht. Der Film berührt Schönheit, Ruhm und den Druck, ständig eine Rolle spielen zu müssen, vertieft diese Themen aber nicht gleichermaßen. Eine Idee kann klar sein, ohne überzeugend Teil des Dramas zu werden. Auch Gotham ist eine verpasste Gelegenheit. In einer Geschichte über äußere Erscheinung könnte die Stadt den Druck auf Matt verstärken. Zu oft bleibt der Schauplatz weniger markant als der Mann in seinem Mittelpunkt.
Wo der Horror an Wirkung verliert
Auch der Horror stößt an eine merkwürdige Grenze. Manche Körperveränderungen wirken stark, doch die größeren digitalen Momente überzeugen weniger als die kleineren, körperlich greifbaren Details. Der Film kann einen zurückschrecken lassen, hält dieses Unbehagen aber nicht durchgehend aufrecht. Mehr Erklärung macht den Albtraum nicht automatisch stärker.
Das Urteil
Mit 108 Minuten ist Clayface eine packende Monstergeschichte, deren Hauptdarsteller stärker ist, als die vertraute Erzählstruktur vermuten lässt. Harries und Ackie geben der Verwandlung einen menschlichen Preis. Die Effekte liefern mehrere starke Momente. Doch immer wieder nähert sich der Film einer seltsameren, verstörenderen Geschichte, bevor er sich mit einem Rachethriller begnügt. Für die Darsteller und den Körperhorror lohnt sich ein Blick. Man sollte nur nicht erwarten, dass jede vielversprechende Idee aufgeht. Ich gebe Clayface 6,5 von 10 Punkten.
