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Muxmäuschenstillˣ: Wut mit einem melancholischen Kern

Mux kehrt in eine veränderte Welt zurück. Der raue Mockumentary-Stil gibt seinen Überzeugungen unbequemen Nachdruck.

Muxmäuschenstillˣ 📣 Passt Mux' Wut noch in diese Zeit?
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Mux ist zurück. In Muxmäuschenstillˣ wacht der fanatische Gerechtigkeitsliebhaber nach achtzehn Jahren im Wachkoma auf und findet sich in einer Welt wieder, die noch absurder, moralisch enthemmter und digital durchgeknallter ist als die, die er damals bekämpft hat. Regie führt diesmal Jan Henrik Stahlberg, der auch wieder selbst in die Rolle von Mux schlüpft. Und er macht das mit einer Mischung aus Härte, Verzweiflung und stoischem Wahn, die einfach wirkt.

Die Handlung ist schnell erzählt: Mux, der einst radikal gegen das Böse in der Gesellschaft vorging, erkennt nach seinem Erwachen, dass sich alles weitergedreht hat – nur nicht zum Guten. Er schreibt ein Manifest, das mehr Abrechnung als Hoffnungsschrift ist, und zieht wieder los. Sein Ziel: Den Menschen zu zeigen, wie sehr sie versagt haben – aber diesmal ohne Baseballschläger. Der Film bleibt dabei im Mockumentary-Stil und wirkt durch seine verwackelte Kamera und improvisierte Atmosphäre wieder rau und unberechenbar. Dieser Stil zieht einen rein, macht’s unbequem und lässt Raum für echte Reaktionen.

An Mux’ Seite steht jetzt Karsten, gespielt von Tilman Vellguth. Der ist PR-Berater und soll Mux helfen, sein Manifest unter die Leute zu bringen. Karsten ist weniger Sidekick als Realitätsabgleich – und wirkt oft überfordert. Die Chemie zwischen ihm und Mux funktioniert, hat aber nicht die Reibung, die früher Gerd mitbrachte. Dafür entsteht eine andere, stille Spannung: Karsten ist ständig zwischen Mitleid, Faszination und absoluter Überforderung gefangen. Und genau das passt zu einer Welt, die mit Überzeugungstätern nicht mehr viel anfangen kann.

Ich finde stark, wie sehr der Film seine Themen zuspitzt: Gentrifizierung, Klimakrise, sozialer Verfall – Mux kommentiert alles mit gnadenloser Direktheit. Manchmal wirkt das wie ein verzweifelter Monolog, manchmal wie ein Stich ins Herz unserer Zeit. Die Szenen, in denen er mit echten Menschen in Kontakt kommt – etwa bei einer Lesung oder in der Bahn – gehören für mich zu den eindringlichsten Momenten des Films.

Was Muxmäuschenstillˣ anders macht als sein Vorgänger: Er ist nachdenklicher, langsamer, fast melancholisch. Die Wut ist da, aber sie hat sich verändert. Nicht weniger radikal, aber resignierter. Der Film will keine schnelle Pointe mehr liefern – er zeigt einen Mann, der immer noch an die Veränderung glaubt, aber merkt, dass er nicht mehr Teil dieser Welt ist.

Für mich ist das ein starker, mutiger Film. Kein perfekter, aber ein ehrlicher. Drei von fünf Punkten – weil er weh tut, weil er Haltung zeigt und weil er den Mut hat, unmodern zu sein.

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