Neu anfangen ohne Anleitung
Wilma verliert ihre Arbeit und den Halt ihrer bisherigen Beziehung. In Wien sucht die technisch ausgebildete Ostdeutsche eine andere Zukunft. Eine Wohngemeinschaft und berufliche Begegnungen konfrontieren sie mit Menschen, deren Lebensentwürfe sich von ihrem eigenen unterscheiden. Maren-Kea Freese nutzt diese Reibung für ein Porträt, das seine Hauptfigur ernst nimmt.
Besonders genau beobachtet die Geschichte, wie praktische Fähigkeiten und Erfahrung durch formale Erwartungen abgewertet werden. Bewerbungsgespräche erhalten eine Spannung, die keine großen äußeren Ereignisse benötigt. Wilmas Suche macht auch Fragen sozialer Anerkennung sichtbar.
Würde und trockener Humor
Fritzi Haberlandt gibt Wilma Stolz und Verletzlichkeit, ohne sie in Selbstmitleid aufgehen zu lassen. Ihre stoische Art trägt viele Szenen. Der trockene Humor entsteht aus unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie man leben und arbeiten sollte. Die Figuren werden nicht als einfache Karikaturen gegeneinander ausgespielt.
Die episodische Erzählung lässt verschiedene Stationen dieses Neuanfangs zu. Kamera und Ton bleiben überwiegend zurückhaltend. Manche surrealen Bilder wirken dagegen etwas konstruiert und erreichen nicht dieselbe Kraft wie die präzise beobachteten Alltagssituationen.
Fazit
Wilma will mehr ist ein sehenswertes Porträt einer Frau, die sich nicht mit ihrem zugewiesenen Platz zufriedengibt. Haberlandts Darstellung und die menschliche Genauigkeit überzeugen besonders. Nicht jede gestalterische Idee funktioniert gleich gut, doch Verletzlichkeit und Humor finden auf eigenständige Weise zusammen.
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