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Überall gibt es ein Hausen: Die Reibung der Selbstfindung

Das kollektive Filmexperiment findet Charme und unangenehme Wahrheiten in einem Seminar, dessen Harmonie schnell brüchig wird.

Überall gibt es ein Hausen 😄 Selbstfindung mit kontrolliertem Kontrollverlust
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

„Überall gibt es ein Hausen“ – Ein improvisiertes Filmexperiment mit Charme und Ecken

Mit Überall gibt es ein Hausen bringt das wtp-Kollektiv einen Film auf die Leinwand, der sich von klassischen Erzählstrukturen und Produktionsweisen bewusst entfernt. Der Film ist eine Mischung aus Komödie, Drama und sozialem Experiment – entstanden in kollektiver Regie, ohne feste Hierarchien, aber mit viel kreativer Energie. Das Ergebnis: ein Film, der roh, spontan und manchmal widersprüchlich wirkt, aber genau darin seinen Reiz entfaltet.

Freies Spiel statt klassischer Regie

Das Besondere an diesem Projekt ist seine ungewöhnliche Entstehungsweise. Es gibt keine strenge Regie, keine festen Drehbuchvorgaben – stattdessen haben die Schauspielerinnen ihre Figuren selbst entwickelt, ihre Dialoge improvisiert und die Szenen gemeinsam am Set erarbeitet. Das Drehbuch von Mira Gittner und Antje Nikola Mönning diente lediglich als Grundgerüst, das sich während der Dreharbeiten organisch weiterentwickelte. Diese kreative Freiheit verleiht dem Film eine besondere Authentizität, sorgt aber auch dafür, dass manches ungeschliffen bleibt. Die Kamera ist oft dokumentarisch geführt, beobachtet das Geschehen zurückhaltend und lässt den Eindruck entstehen, man sei zufällig Zeuge echter Gespräche.

Ein Seminar, das aus dem Ruder läuft

Im Zentrum des Films steht eine Gruppe von Frauen, die sich in einem abgelegenen Seminarhaus trifft, um sich selbst zu finden. Jede von ihnen bringt ihre eigene Geschichte, ihre Ängste und Überzeugungen mit: Julia sucht nach Orientierung, Luisa hat viele Follower, aber nicht sich selbst gefunden, Valentina glaubt an absolute Freiheit, während Marion einfach „mal etwas Schönes erleben“ will. Doch aus der erhofften Harmonie wird schnell eine Mischung aus Missverständnissen, Reibereien und absurden Momenten, die mal komisch, mal unangenehm realistisch wirken.

Eine Szene bleibt besonders im Gedächtnis: Gemeinsam singen die Frauen den Titelsong „Sturmfrei“ – ein unerwarteter, intensiver Moment, der Gänsehaut erzeugt. Doch diese fragile Einheit zerbricht bald wieder, als die ersten Konflikte eskalieren. Der Film zeigt, wie Gruppen sich zunächst harmonisch geben, dann in Fraktionen zerfallen und am Ende jeder für sich mit den eigenen Gedanken und Problemen zurückbleibt.

Authentizität versus Inszenierung

Das kollektive Arbeiten hinter der Kamera spiegelt sich auch in der Handlung wider: Wie die Darstellerinnen den Film gemeinsam gestalten, müssen die Figuren im Seminar miteinander auskommen – mit allen Schwierigkeiten, die dazugehören. Dieser Ansatz führt zu Szenen, die sehr lebendig und unvorhersehbar sind, aber auch zu Momenten, in denen die Improvisation spürbar an ihre Grenzen stößt. Manche Dialoge wirken natürlich und spritzig, andere etwas hölzern oder redundant.

Besonders spannend ist jedoch, dass sich die Figuren nicht nur durch ihre Worte, sondern auch durch ihr Schweigen definieren. Der Film nimmt sich Zeit für Blicke, für unausgesprochene Emotionen und für das, was zwischen den Zeilen liegt. Hier zeigt sich eine Stärke der Inszenierung: Es gibt keine klaren Helden oder Bösewichte – jede Figur ist in ihrer Widersprüchlichkeit menschlich.

Fazit: Kein Blockbuster, aber ein interessantes Experiment

Überall gibt es ein Hausen ist kein Film für das große Publikum und kein Hochglanzkino. Er ist roh, verspielt, manchmal anstrengend, aber auch mutig in seinem Versuch, ein Gruppenexperiment filmisch festzuhalten. Wer eine klassische Dramaturgie oder eine durchgehende Erzählstruktur erwartet, wird hier nicht fündig. Doch wer sich auf unkonventionelles Kino einlässt und Lust auf eine Mischung aus freiem Schauspiel, dokumentarischem Blick und zwischenmenschlichen Spannungen hat, könnte hier auf kleine, unerwartete Entdeckungen stoßen.

Am Ende bleibt es ein Film, der mehr durch seine Idee als durch Perfektion überzeugt – und genau das macht ihn interessant.

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