Neben der Spur zwei ist eine Fortsetzung, die sich nicht neu erfindet, aber durchaus ihren Platz verdient hat. Wieder stehen die Geschwister Lisa und Daniel im Mittelpunkt, gespielt von Katia Winter und Fredrik Hallgren. Diesmal geht es nicht mehr auf Skiern durch Schweden, sondern per Fahrrad – bei der Vätternrundan, einem real existierenden Ausdauer-Radrennen über mehr als dreihundert Kilometer rund um den Vätternsee. Und wie schon im ersten Teil geht es eigentlich nicht um den Sport, sondern um die emotionalen Strecken, die man innerlich zurücklegt.
Lisa hat sich seit den Ereignissen des ersten Teils gefangen – sie trinkt nicht mehr, lebt mit Anders und Tochter Elvira ein geregeltes Leben, aber etwas in ihr bleibt unruhig. Als es darum geht, mit Anders ein Haus zu kaufen, kommt ihre innere Blockade wieder hoch. Das Vertrauen, das sie sich mühsam aufgebaut hat, ist noch fragil. Daniel steckt derweil mitten in einer Trennung, denn Klara will die Scheidung – eine Nachricht, die er nicht akzeptieren will. In der Hoffnung, das Ruder herumzureißen, meldet er sich kurzerhand für das Rennen an. Zusammen mit Lisa will er radelnd alte und neue Krisen bewältigen.
Der Film lebt von der Beziehung zwischen den beiden Geschwistern. Katia Winter schafft es, Lisas Zweifel und Stärke ganz feinfühlig zu vermitteln. Sie ist eine Figur, die oft schweigt, und genau in diesen stillen Momenten wirkt sie am stärksten. Fredrik Hallgren als Daniel ist ein Kontrast dazu – laut, emotional, verpeilt, aber eben auch ehrlich und verletzlich. Die Dynamik zwischen den beiden ist der große Gewinn dieses Films: authentisch, witzig, manchmal ruppig, aber immer glaubwürdig.
Regisseur Mårten Klingberg setzt erneut auf ruhige Bilder, auf eine Inszenierung, die sich Zeit nimmt. Es gibt keine hektische Comedy, kein künstliches Drama. Vieles passiert zwischen den Zeilen, in Blicken, in Sätzen, die im Raum stehen bleiben. Und das ist schön. Aber es ist auch ein bisschen das Problem. Denn Neben der Spur zwei verlässt sich fast schon zu sehr auf den Wohlfühlfaktor des ersten Films. Wirklich neue Impulse fehlen. Die Konflikte sind vertraut: Beziehungschaos, Identitätsfragen, Lebensumbrüche. Das ist alles solide erzählt, aber eben nicht überraschend.
Die Landschaftsaufnahmen sind wie erwartet stark – die schwedische Natur wirkt gleichzeitig befreiend und einsam. Die Vätternrundan ist ein guter Aufhänger, um die emotionale Reise zu spiegeln, aber das Radrennen selbst bleibt eher Kulisse als treibende Kraft. Die Musikuntermalung ist zurückhaltend, was gut zur Erzählweise passt.
Was bei mir hängen bleibt, sind nicht die großen Plotpunkte, sondern die kleinen Augenblicke: ein Gespräch am See, ein schräger Streit auf dem Fahrrad, eine stille Umarmung am Etappenziel. Diese Szenen geben dem Film Gewicht, auch wenn das Drehbuch manchmal ein bisschen zu sehr auf Nummer sicher geht.
Unterm Strich ist Neben der Spur zwei ein leiser, warmer Film, der sich nicht aufdrängt, aber angenehm nachklingt. Kein großes Kino, keine emotionale Wucht – aber ein ehrlicher, gut gespielter Blick auf das Leben in seiner manchmal nervigen, manchmal berührenden Unordnung. Wer den ersten Teil mochte, wird auch diesen mögen. Wer etwas komplett Neues erwartet, wird eher still nicken und sagen: nett, aber da wäre noch mehr drin gewesen.
