Und was soll ich sagen: Dieser Film will viel – und manchmal gelingt ihm das auch erstaunlich gut.
Drei Frauen, die nichts verbindet außer Alkoholismus, landen gemeinsam in einer Entzugsklinik. Dort keimt langsam eine Idee, die so verrückt ist, dass sie genau deshalb funktioniert: Warum nicht zusammen an einer Wüstenrallye in Marokko teilnehmen? Eine Art metaphorischer Neuanfang, mitten im Sand, mit Schraubenschlüssel, Benzinkanister und einer Menge innerem Gepäck. Was auf dem Papier klingt wie eine schräge Feelgood-Komödie, entwickelt sich schnell zu einem interessanten Spagat zwischen Sozialdrama und Abenteuerfilm.
Was mich direkt überzeugt hat, ist die Bodenhaftung. Der Film tut nicht so, als wäre Alkoholsucht bei Frauen ein Nischenproblem, sondern zeigt sie in aller Direktheit – mit Scham, Rückfällen, Entfremdung von der Familie, sozialen Abstürzen. Das Ganze wirkt nie reißerisch, sondern erstaunlich ruhig und ehrlich. Besonders stark sind die Szenen in der Klinik: nüchtern, wortkarg, intensiv. Es wird wenig erklärt, aber viel gezeigt – und genau das funktioniert.
Was die Geschichte trägt, sind die drei Hauptdarstellerinnen. Valérie Bonneton bringt als Suzanne eine Mischung aus Härte und Zerbrechlichkeit mit, die einem sofort nahegeht. Michèle Laroque spielt Diane mit einer feinen Balance aus Wut und Würde, während Sabrina Ouazani als Alice die emotionale Energie des Films liefert. Man glaubt ihnen diese Frauen – und man glaubt, dass sie sich wirklich verändern wollen, obwohl die Welt draußen eigentlich schon längst aufgegeben hat.
Der große Sprung, dramaturgisch wie geografisch, ist natürlich die Reise in die marokkanische Wüste. Und ja, dieser Teil wirkt anfangs etwas überkonstruiert – plötzlich stehen wir mit den drei Frauen in der Hitze, mit einem Auto, das kaum anspringt, und einer Route, die mehr psychologischer Hindernislauf ist als Motorsport. Aber genau da blüht der Film auf: in seinem Mut, einfach mal was anderes zu machen. Die Bilder sind stark, die Dynamik zwischen den Frauen verändert sich spürbar, und trotz aller Widrigkeiten entsteht so etwas wie Hoffnung – nicht als billige Feelgood-Antwort, sondern als fragiler Impuls.
Nicht alles funktioniert gleich gut. Manches ist deutlich zu glatt geschrieben, Konflikte lösen sich manchmal zu schnell, einige emotionale Wendungen kommen eher aus dem Drehbuchbaukasten als aus den Figuren selbst. Und obwohl das Thema Abhängigkeit viel Raum bekommt, bleibt der Film auf der gesellschaftlichen Ebene oft vage. Warum Frauen trinken, was sie in die Sucht treibt, welche Rolle Familie, Armut, Gewalt oder Arbeitslosigkeit spielen – all das wird eher angerissen als vertieft. Wer auf eine kritische Auseinandersetzung mit den Strukturen hofft, wird nicht satt.
Trotzdem: Ich habe Die guten und die besseren Tage gern gesehen. Es ist ein Film mit Herz, mit Humor, mit Figuren, die man nicht vergisst. Er ist warm, ohne kitschig zu sein, dramatisch, ohne zu übertreiben, und überraschend mutig in seiner Mischung aus Reha und Roadtrip. Dass er dabei nicht jedes Versprechen einlöst, ist schade – aber verzeihlich.
Von mir gibt’s sieben von zehn Punkten. Kein Meisterwerk, aber ein klug beobachteter, sympathisch gespielter Film mit einer ungewöhnlichen Idee, die tatsächlich trägt.
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