Diese dritte Staffel der Monster-Reihe ist ein düsterer, ambitionierter Brocken – aber einer, der sich oft in seinen eigenen Schatten verliert. Sie will vieles zugleich: Porträt, True Crime, Horror, Medienreflexion, Psychodrama – und stolpert dabei über ihre eigene Schwere.
Im Mittelpunkt steht Ed Gein, gespielt von Charlie Hunnam, der hier völlig gegen sein sonstiges Image besetzt wurde. Und das funktioniert stellenweise richtig gut. Er spielt Gein nicht als reißerisches Monster, sondern als stillen, innerlich zerrissenen Mann – gefangen zwischen Schuld, religiösem Wahn und einer zutiefst gestörten Mutterbindung. Hunnam legt dabei eine fast unheimliche Ruhe an den Tag. Da ist kein Overacting, kein plakativer Wahnsinn – eher ein konstantes Unbehagen, das sich langsam aufbaut. Seine Körpersprache, sein Blick – vieles daran ist verstörend gut getroffen.
Die Serie setzt nicht nur auf Rückblenden, sondern springt wild durch Zeiten, Orte und Perspektiven. Mal sehen wir Gein als Kind, dominiert von seiner religiös-fanatischen Mutter, mal als erwachsenen Mann in einem heruntergekommenen Haus voller makaberer Relikte. Und dann wieder wird plötzlich der Bogen gespannt zu seiner späteren Rezeption in der Popkultur. Genau hier liegt ein zentrales Problem: Die Serie ist oft mehr daran interessiert, kluge Querverweise zu platzieren, als wirklich emotional zu berühren. Das macht sie intellektuell anregend, aber nicht durchgehend packend.
Inhaltlich geht es um mehr als nur Mord und Wahnsinn – es geht um Vernachlässigung, um psychische Krankheit, um das, was Gesellschaft mit einem Menschen machen kann, der ohnehin schon am Rand steht. Und doch hat mich die Serie emotional oft auf Distanz gehalten. Vielleicht, weil sie sich so sehr bemüht, gleichzeitig Kunst, Schock und Analyse zu sein.
Die Inszenierung ist wie erwartet hochwertig: kalt, karg, fast steril in ihrer Farbgebung. Die Kamera beobachtet distanziert, nie voyeuristisch, aber doch mit einer gewissen Faszination für das Abgründige. Die Ausstattung ist top, jedes Möbelstück, jede Wand wirkt wie aus einem Alptraumkuriositätenkabinett gezogen.
Was mir aber wirklich gefehlt hat, war ein klarer erzählerischer Fokus. Zu oft driftet die Serie ab, verliert sich in symbolischen Einschüben oder Nebenhandlungen, die nicht weitergeführt werden. Die letzte Episode versucht dann, alles zusammenzuzurren – mit mäßigem Erfolg. Man erkennt den Versuch, Ed Gein nicht als Einzelfall, sondern als Produkt seiner Umwelt darzustellen. Aber der Aufbau dahin bleibt zu sprunghaft.
Kritisch sehe ich auch, wie manche grausamen Elemente inszeniert wurden. Natürlich ist True Crime immer ein Balanceakt zwischen Darstellung und Ausschlachtung. Hier kippt es an ein paar Stellen – nicht unbedingt durch grafische Gewalt, sondern durch das, was zwischen den Bildern mitschwingt. Der Horror wird nicht nur gezeigt, sondern fast zelebriert. Das hat mich mehrmals rausgerissen.
Trotzdem: Es gibt starke Momente. Besonders Szenen zwischen Ed und seiner Mutter, gespielt von Laurie Metcalf, brennen sich ein. Diese Beziehung ist der eigentliche Kern der Staffel – alles andere ist nur Auswuchs. Und Hunnam schafft es, diesen Knoten aus Hass, Abhängigkeit und Schuld sehr greifbar zu machen.
Unterm Strich ist „Monster: Die Geschichte von Ed Gein“ ein komplexes, visuell eindrucksvolles, aber erzählerisch unausgegorenes Werk. Es will klüger sein, als es am Ende ist. Und obwohl es viel richtig macht – vor allem in Sachen Stimmung und Besetzung – bleibt ein schales Gefühl zurück. Ich gebe sechseinhalb von zehn Punkten. Viel Substanz, aber zu wenig Stringenz, um wirklich zu fesseln.
