Die vierteilige Netflix-Serie Das Monster von Florenz ist am zweiundzwanzigsten Oktober fünfundzwanzig gestartet – und sie hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Ich mag True-Crime-Stoffe, die sich trauen, tiefer in die Psyche eines Verbrechens einzutauchen. Aber diese Serie schafft es nur teilweise, aus dem faszinierenden realen Fall eine wirklich mitreißende Geschichte zu machen.
Ein Fall, viele Perspektiven
Inhaltlich basiert alles auf den berüchtigten Doppelmorden, die zwischen den späten sechziger und achtziger Jahren rund um Florenz verübt wurden. Die Serie versucht, diese Geschehnisse über mehrere Jahrzehnte hinweg nachzuerzählen – aus wechselnden Perspektiven und mit immer neuen Verdächtigen. Auf dem Papier klingt das spannend, doch in der Umsetzung wirkt das alles oft zu fragmentiert. Es gibt keinen echten roten Faden, an dem man sich als Zuschauer festhalten kann. Mal stehen die Ermittler im Mittelpunkt, mal die mutmaßlichen Täter, dann wieder die Opfer – und am Ende bleibt ein Puzzle, das beeindruckend aussieht, aber nicht richtig greifbar wird.
Atmosphäre und Darsteller
Was man der Serie aber lassen muss: die Atmosphäre ist stark. Die Kamera fängt die toskanische Landschaft so ein, dass man fast den Staub auf den Landstraßen riechen kann. Besonders die Nachtszenen sind großartig beleuchtet, mit einem Spiel aus Schatten und Licht, das eine unheimliche Stimmung erzeugt. Auch der Soundtrack trägt dazu bei, dass man sich in diese düstere, paranoide Welt hineinversetzt fühlt. Rein visuell ist das alles wirklich hochwertig.
Die schauspielerischen Leistungen sind solide bis stark. Vor allem der Darsteller des Salvatore Vinci schafft es, eine faszinierende Mischung aus Charme und Bedrohung zu vermitteln. Dennoch fehlt es mir an Figuren, mit denen man emotional mitfiebern kann. Viele Charaktere bleiben schemenhaft, fast schon austauschbar. Selbst die Frauenfiguren, die im Zentrum der Tragödie stehen, bekommen erstaunlich wenig Tiefe. Gerade die erste Episode deutet an, wie stark die Serie sein könnte, wenn sie den Fokus stärker auf die Opfer und deren Umfeld legen würde – aber das bleibt ein unerfülltes Versprechen.
Stil vor menschlichen Folgen
Thematisch kratzt die Serie an großen Fragen: Gewalt, Macht, Misogynie und das Versagen von Justiz und Medien. Doch sie geht diesen Themen selten wirklich auf den Grund. Stattdessen verliert sie sich oft in der ästhetischen Darstellung des Grauens. Man merkt, dass hier jemand viel Wert auf Stil gelegt hat – vielleicht ein bisschen zu viel. Denn so schön die Serie aussieht, so wenig berührt sie emotional. Ich hatte oft das Gefühl, mehr Zuschauer als Mitfühlender zu sein.
Fazit
Mein Fazit: Das Monster von Florenz ist ein technisch beeindruckendes, aber erzählerisch durchwachsenes True-Crime-Drama. Es hat Atmosphäre, Stil und eine hervorragende Inszenierung – aber zu wenig Herz und Fokus. Ich gebe der Serie sechs von zehn Punkten. Wer düstere Krimiserien mit historischem Hintergrund mag, wird hier gut unterhalten. Wer jedoch auf eine wirklich fesselnde, psychologisch dichte Geschichte hofft, wird wohl etwas enttäuscht zurückbleiben.
