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Obsession: Ein Liebeswunsch ohne Platz für Freiheit

Curry Barker macht aus romantischem Besitzdenken fiesen, bitterkomischen Horror. Inde Navarrette gibt den Folgen beklemmendes Gewicht.

Obsession 😳 The Wish That Went TOO FAR
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Ja: Dieser Horrorfilm ist den Hype wert. Curry Barker erzählt im Kern eine simple, fast märchenhafte Warnung: Bear, ein schüchterner Musikladen-Mitarbeiter, ist seit Jahren in Nikki verliebt, bekommt den Mund aber nicht auf. Statt ehrlich zu sein, greift er zu einem magischen Gegenstand, dem One-Wish-Willow, und wünscht sich, dass Nikki ihn mehr liebt als alles andere. Was wie eine traurige Teenager-Fantasie beginnt, kippt sehr schnell in einen Albtraum über Kontrolle, Besitzdenken und die brutale Frage: Ist Liebe überhaupt noch Liebe, wenn sie erzwungen wurde?

Das Spannende ist, dass der Film Bear nicht einfach als armen Loser verkauft. Michael Johnston spielt ihn unsicher, weich, manchmal fast sympathisch, aber genau darin liegt die Gemeinheit. Je länger der Film läuft, desto klarer wird: Seine Feigheit ist nicht harmlos. Er will keine Beziehung auf Augenhöhe, er will ein Ergebnis. Und Nikki bezahlt den Preis. Inde Navarrette ist dabei das Zentrum des Films. Ihre Performance geht voll ins Risiko: mal komisch überdreht, mal tragisch verloren, mal so unberechenbar, dass jede ruhige Szene plötzlich gefährlich wirkt. Der Horror kommt weniger aus Monstern oder Regeln, sondern aus dem Gefühl, dass ein Mensch innerlich verschoben wurde.

Barkers Regie ist für ein Kinodebüt erstaunlich sicher. Er kommt aus der Online-Comedy, schreibt, inszeniert und schneidet hier selbst, und genau diese Kontrolle spürt man im Rhythmus. Viele Szenen sind erst unangenehm witzig und werden dann im selben Atemzug ekelhaft. Genau diese Tonwechsel machen „Obsession“ so frisch. Der Film hat schwarzen Humor, aber er lacht nicht über seine Figuren, sondern über die kaputte Logik romantischer Besitzansprüche. Visuell wirkt das nicht billig: Schatten, starre Einstellungen, Unschärfen und kleine Verzögerungen erzeugen mehr Druck als reine Jump-Scares. Gleichzeitig ist nicht alles perfekt. Einige Schockmomente sind ziemlich klassisch gebaut, das Sounddesign drückt manchmal zu deutlich auf den Alarmknopf, und die Geschichte läuft Gefahr, Nikkis Leid zu lange durch Bears Blick zu filtern.

Gerade deshalb bleibt der Film interessant: Er ist keine reine „verrückte Freundin“-Nummer, sondern ein bitterer Wunschtraum, der seinen Absender vergiftet. Die Gewalt ist hart, aber nicht nur Effekt. Sie macht sichtbar, was Bear eigentlich ausgelöst hat: eine Liebe ohne Freiheit, also etwas zutiefst Unheimliches.

Trotzdem bleibt „Obsession“ ein starker, fieser und überraschend trauriger Horrorfilm. Er ist brutal, absurd, bitterkomisch und thematisch näher an toxischer Männlichkeit als an gewöhnlichem Spuk. Für mich funktioniert er am besten, wenn er unbequem ist: wenn man merkt, dass Bears Wunsch nicht romantisch, sondern übergriffig war. Deshalb landet der Film bei mir bei starken vier von fünf Sternen. Kein makelloses Meisterwerk, aber ein moderner Genre-Schocker mit echter Stimme, großartiger Hauptdarstellerin und Nachhall.

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