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Ice Cream Man: Ein böser Witz, zu oft wiederholt

Eli Roths Vorstadtalbtraum hat eine starke Prämisse und groteske Bilder, aber wenig emotionale Konsequenz oder anhaltende Spannung.

Ice Cream Man 🍦 Eli Roth’s Horror Melts Fast
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Eli Roth nimmt dafür eine denkbar einfache Horroridee: In der idyllischen US-Kleinstadt Bayleen Bay taucht ein charismatischer Eisverkäufer auf. Seine Süßigkeiten haben allerdings verheerende Folgen, und plötzlich geraten ausgerechnet die Kinder des Ortes außer Kontrolle. Mehr muss man vor dem Film eigentlich nicht wissen. Das Konzept ist sofort verständlich und verspricht genau jene Mischung aus schwarzem Humor, Sommeridylle und hemmungslosem Splatter, für die Roth bekannt ist.

Visuell lebt Ice Cream Man zunächst vom Gegensatz zwischen sonniger Vorstadt und groteskem Chaos. Eiswagen, freundliche Nachbarschaften und kindliche Unbeschwertheit werden gegen möglichst geschmacklose Horrorbilder ausgespielt. Einige dieser Ideen besitzen tatsächlich einen gewissen Einfallsreichtum. Roth kann geschmackloses Genrekino inszenieren, und in den besten Momenten besitzt der Film eine bewusst alberne Energie. Das Problem ist nur: Der Film behandelt seine Grundidee wie einen einzigen Witz, den er immer wieder lauter erzählt. Statt Spannung aufzubauen oder die Regeln seines Szenarios interessant weiterzuentwickeln, reiht er zunehmend Schockmomente aneinander.

Ari Millen funktioniert als titelgebender Eisverkäufer vor allem über Präsenz. Seine ruhige, fast wortlose Art gibt der Figur zunächst etwas Unangenehmes, das deutlich stärker wirkt als viele der späteren Eskalationen. Auch Charlie Zeltzer kann sich im jungen Ensemble absetzen. Insgesamt bleiben die Figuren aber erstaunlich dünn. Eltern, Kinder und Bewohner von Bayleen Bay wirken häufig eher wie Vorbereitung für den nächsten Effekt als wie Menschen, um die man sich wirklich sorgt. Genau deshalb fehlt dem Film irgendwann das, was guter Horror trotz aller Übertreibung braucht: Konsequenzen, die emotional etwas bedeuten.

Das ist besonders schade, weil unter dem Klamauk durchaus Themen liegen. Ice Cream Man streift Konsum, Ernährung, Bildschirmabhängigkeit und die Lust einer Gesellschaft an immer extremeren Reizen. Nur wird kaum einer dieser Gedanken lange genug verfolgt, um daraus echte Satire zu machen. Provokation ersetzt hier zu oft Beobachtung.

Ice Cream Man ist ein Produkt von Roths neuem Label The Horror Section, mit dem er sich stärker von Studioeingriffen lösen will. Diese Freiheit merkt man dem Film an – leider auch dort, wo ein strengeres Gegenüber geholfen hätte. Die Prämisse ist stark, Ari Millen hat die passende Ausstrahlung und einzelne Splatterideen treffen ihren makabren Ton. Doch ohne spannende Figuren, klare Satire oder nachhaltigen Schrecken schmilzt das Ganze erstaunlich schnell zusammen. Für diese verschenkte Sommer-Horroridee bleiben am Ende nur drei von zehn Punkten.

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