Another German Tank Story zeigt, wie skurril, tieftraurig und zum Brüllen komisch das Dorfleben sein kann, wenn ein amerikanisches Filmteam plötzlich in den Alltag platzt. Regie führt Jannis Alexander Kiefer, und das hier ist sein Langfilmdebüt. Und ich muss sagen: Das Debüt hat Ecken, Kanten und ganz schön viel Herz.
Die Geschichte spielt im ostdeutschen Kaff Wiesenwalde, wo die Zeit ein bisschen stehengeblieben zu sein scheint. Plötzlich dreht dort ein US-Streamingdienst eine Serie über den Zweiten Weltkrieg, inklusive echter Panzer, Requisiten und Schauspieler mit schlechten deutschen Akzenten. Im Ort sorgt das für Aufruhr. Für Bürgermeisterin Susanne, gespielt von Meike Droste, ist das die große Chance, Wiesenwalde auf die Landkarte zu bringen. Ihr Sohn Tobi – ohne Führerschein, aber mit Tatendrang – fährt kurzerhand den Catering-Van. Ex-Mann Bert, verkörpert von Roland Bonjour, kehrt als Journalist zurück und wittert die große Story. Und dann steht auch noch plötzlich ein Panzer vor dem Haus. Kein Witz.
Was der Film richtig gut macht, ist, wie er seine Figuren zeichnet. Hier wirkt nichts konstruiert. Susanne kämpft sich als Bürgermeisterin durch, immer an der Kippe zwischen Pragmatismus und Verzweiflung. Tobi ist kein Held, aber eben auch kein totaler Trottel – einfach ein Typ, der mal mitspielen will, statt immer nur zuzuschauen. Und dann ist da noch Rosi, herrlich gespielt von Monika Lennartz, die mit verschmitztem Blick ihren eigenen Plan verfolgt.
Kiefer balanciert das alles mit einem wunderbar lakonischen Ton. Nichts ist überdreht, nichts platt. Der Humor kommt oft aus der Stille, aus Blicken, aus Situationen, bei denen man gar nicht weiß, ob man lachen oder seufzen soll. Es gibt Momente, da fühlt sich das fast wie eine ostdeutsche Version eines Coen-Brüder-Films an. Skurril, menschlich, melancholisch.
Aber klar: Der Film ist nicht perfekt. Einige Nebenfiguren bleiben zu blass, manche Konflikte wirken angerissen, aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass hier jemand mit echtem Gespür für Milieu, Timing und Charaktere arbeitet. Und das ist bei einem Debütfilm alles andere als selbstverständlich.
„Another German Tank Story“ ist kein großes Drama, kein lautes Politkino, kein emotionaler Schlag in die Magengrube. Es ist ein Film, der leise erzählt, was passiert, wenn die große Welt ins kleine Dorf knallt – und wie die Leute dort darauf reagieren. Mal trotzig, mal naiv, mal witzig – und immer irgendwie echt. Und das ist mehr, als man von vielen deutschen Filmen in letzter Zeit sagen konnte.
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