DAS UNABHÄNGIGE FILMJOURNALHorrOctober2026
filmbuZZer
← Zurück zu den SerienSERIENKRITIK / 2025

Wednesday, Staffel 2 Teil 1: Viel Stil, weniger Fokus

Jenna Ortega und die makabre Gestaltung tragen die ersten vier Folgen. Die vielen Nebenhandlungen kosten allerdings erzählerische Schärfe.

Wednesday Staffel 2 🌑 Zurück in Nevermore und nichts läuft nach Plan
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Diese Kritik bespricht die ersten vier Folgen der zweiten Staffel, nicht die vollständige Staffel.

Kaum läuft die erste Folge an, ist klar: Diese Staffel will größer, düsterer und emotionaler werden. Der Auftakt knallt visuell und dramaturgisch – und schmeißt uns direkt in ein Netz aus neuen Figuren, neuen Gefahren und einem Cliffhanger, der ausgesprochen wirkungsvoll gesetzt ist.

Die Hauptgeschichte dreht sich um den geheimnisvollen „Avian Killer“, eine Organisation namens LOIS und die Frage, wer oder was hinter einer Serie bizarrer Vorfälle steckt. Wednesday stolpert – mal wieder mit Absicht – mitten hinein und zieht uns mit ihrer makabren Neugier gleich mit. Doch während der Kern der Story stark bleibt, hängt zu viel unnötiges Fleisch am Knochen. Da gibt es Pugsleys Zombie-Haustier, das zwar schräg, aber nicht wirklich relevant ist. Da sind Nebenplots, die zwar einzelne charmante Momente bringen, aber das Erzähltempo immer wieder zerfasern lassen.

Was diese Überladung ein wenig rettet, ist das Cast. Jenna Ortega ist schlicht großartig. Sie gibt Wednesday eine Präsenz, die schneidend und trocken zugleich ist – jede Szene mit ihr wirkt wie ein perfekt gesetzter Dolchstoß ins Herz des Mainstreams. Daneben glänzen Neuzugänge wie Steve Buscemi, der als exzentrischer Schulleiter eine Mischung aus Warmherzigkeit und latentem Wahnsinn mitbringt, Billie Piper als Musiklehrerin mit messerscharfem Charisma oder Joanna Lumley, die als Grandmama alle Blicke auf sich zieht, sobald sie den Raum betritt. Besonders überrascht hat mich Emma Myers als Enid. Ihre Figur bekommt endlich Raum zur Entfaltung, und diese Entwicklung bringt eine neue Dynamik, die fast auf Augenhöhe mit Ortega spielt.

Optisch ist die Serie immer noch eine Wucht. Tim Burton, der die kreative Handschrift über allem schweben lässt, setzt wieder auf eine Mischung aus verspielt-makabren Setdesigns, gezielt gesetzten Farbakzenten und einer Kamera, die jede schräge Perspektive auskostet. Manche Szenen wirken fast wie bewegte Gemälde – eine Qualität, die den Charme der Serie trägt, auch wenn die Handlung gerade mal schwächelt.

Thematisch bleibt „Wednesday“ ein Hybrid aus Mystery, Horror und Teen-Drama. Das macht Spaß, bringt aber auch Probleme mit sich. Der Ton schwankt zwischen bitterbösem Humor, echtem Suspense und gelegentlichem Highschool-Kitsch. Oft funktioniert dieser Mix, aber in dieser Staffel kippt er öfter ins Unausgewogene. Gerade die Fülle an Figuren und Handlungssträngen führt dazu, dass manche emotionalen Momente nicht so treffen, wie sie könnten. Die Serie will gleichzeitig Horror-Drama, Comedy und Fantasy-Abenteuer sein – und das ist einfach zu viel für acht Folgen, die ohnehin schon randvoll sind.

Trotzdem: Ich habe jede Folge gerne geschaut. Der Cliffhanger am Ende des ersten Teils ist brutal effektiv. Die Serie weiß, wie sie Spannung aufbaut, wie sie ihre Hauptfigur in lebensgefährliche Situationen bringt und trotzdem ihren Zynismus bewahrt. Man bleibt dran, weil Ortega eine derart magnetische Ausstrahlung hat, dass selbst die schwächeren Episoden noch sehenswert sind.

Mein Fazit? Der erste Teil von Staffel zwei ist ein stilvoller, aber ungleichmäßiger Ritt. Bildgewalt, Atmosphäre und ein exzellenter Cast machen vieles wett. Doch die Überladung an Nebenfiguren und Subplots frisst an der erzählerischen Schärfe, die Staffel eins so besonders gemacht hat. Diese erste Hälfte lässt viele Fäden offen und könnte den Fokus stärker auf ihre Hauptfigur legen. Denn Potenzial ist hier nach wie vor reichlich vorhanden – man muss es nur in die richtige Form pressen.

Die Kritik auf YouTubeDu schaust lieber zu? Dieser Artikel gehört zur veröffentlichten filmbuZZer-Kritik.Kritik auf YouTube ansehen