Die 12-teilige südkoreanische Miniserie beginnt mit einer maximal unglaubwürdigen Ausgangslage: Staatsanwältin Go Eun-sae verliert ihr Gedächtnis und wacht ohne sichere Identität auf. Dann taucht Jang Tae-ha auf, ein ehemaliger Boxer und heutiger Boxtrainer, und behauptet, ihr Freund zu sein. Schon früh wird klar, dass hinter dieser Behauptung mehr steckt als eine schräge romantische Notlüge – und genau daraus baut die Serie ihre Mischung aus Romcom, Kleinstadtidylle und Gangsterthriller.
Der größte Trumpf ist die Chemie zwischen Ha Young und Jung Hae-in. Eun-sae funktioniert trotz Gedächtnisverlust nie wie eine passive Figur, die sich einfach von allen durch die Handlung schieben lässt. Ihr Instinkt, ihre Schärfe und ihr Misstrauen bleiben erhalten. Ha Young spielt das mit erstaunlich gutem komödiantischem Timing, ohne die Figur zur Karikatur zu machen. Jung Hae-in setzt dagegen auf Zurückhaltung: Tae-ha kann körperlich problemlos einen Kampf bestehen, wirkt emotional aber oft deutlich hilfloser. Gerade dieser Gegensatz macht ihn sympathisch.
Am stärksten ist Our Sticky Love deshalb, wenn die Serie nicht versucht, besonders clever zu sein. Das gemeinsame Leben im sogenannten Taffy Village, die neugierigen Dorfbewohnerinnen und die kleinen Reibungen zwischen Eun-sae und Tae-ha erzeugen genau die Wärme, die man von einer guten K-Romcom erwartet. Gleichzeitig verhindert die kriminelle Vergangenheit von Tae-ha, dass das Ganze komplett zur Zuckerwatte wird. Heo Sung-tae bringt als Baek Sang-gil genug Härte mit, um die Bedrohung glaubwürdig wirken zu lassen, auch wenn die Serie ihn nicht immer konsequent genug nutzt. Regisseur Kim Jang-han spielt zudem bewusst mit dem Kontrast der Welten: helle, gemütliche Romcom-Momente im Dorf treffen auf deutlich dunklere Gangsterpassagen. Dadurch fühlt sich der Genrewechsel zumindest visuell weniger willkürlich an.
Genau hier liegt aber auch das Hauptproblem. Our Sticky Love möchte Romance, Komödie, Action, Noir, Gangsterdrama, Familiengeschichte und Nebenromanzen gleichzeitig bedienen. 12 Folgen sind dafür nicht automatisch zu wenig, doch die Gewichtung wirkt oft merkwürdig. Manche Nebenfiguren bekommen erstaunlich viel Raum, während wichtigere Konflikte zwischendurch fast verschwinden. Besonders im letzten Drittel spürt man, dass die Serie mehrere offene Fäden gleichzeitig schließen muss. Das macht sie nicht langweilig, aber unnötig gedehnt.
Auch die Grundidee bleibt moralisch etwas heikel. Eine Romanze, die mit einer massiven Lüge gegenüber einer Frau ohne Erinnerungen beginnt, braucht Fingerspitzengefühl. Die Serie weiß das immerhin und lässt Eun-sae nicht einfach naiv mitlaufen. Trotzdem muss man diesen künstlichen Ausgangspunkt akzeptieren, damit die emotionalen Momente später funktionieren.
Unterm Strich ist Our Sticky Love kein revolutionäres K-Drama, aber ein überraschend unterhaltsames. Die bekannten Tropen sind offensichtlich, die Handlung könnte straffer sein und nicht jede Genre-Mischung sitzt. Aber Ha Young und Jung Hae-in tragen die Serie mit Charme, Witz und einer glaubwürdigen Nähe, die viele Schwächen auffängt. Wer romantische K-Dramen mit etwas Gangster- und Thrillerwürze mag, bekommt hier einen angenehm klebrigen Binge. Dafür gibt es 7 von 10 Punkten.
