Auf den ersten Blick wirkt der Film wie die nächste ganz klassische Streaming-Romcom: hübsche Menschen, große Gefühle, ein bisschen Chaos, ein bisschen Trauer, ein bisschen Zufall. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.
Im Mittelpunkt steht Jill, gespielt von Zoey Deutch. Nach dem Tod ihrer Schwester Isabelle verarbeitet sie ihre Trauer, indem sie ihr weiterhin Sprachnachrichten hinterlässt. Diese Nachrichten sind wie ein digitales Tagebuch: ehrlich, witzig, verletzlich, manchmal peinlich, manchmal herzzerreißend. Nur weiß Jill nicht, dass Isabelles alte Nummer längst neu vergeben wurde. Die Nachrichten landen bei Wes, einem Immobilienmakler aus Austin, gespielt von Nick Robinson. Und genau hier beginnt das Problem, aber auch der Reiz des Films.
Denn die Grundidee ist romantisch und unangenehm zugleich. Ein Mann hört intime Nachrichten einer trauernden Frau ab, verliebt sich aus der Ferne in sie und sucht sie schließlich auf, ohne sofort ehrlich zu sein. Das kann man süß finden, wenn man sich komplett auf die Romcom-Logik einlässt. Man kann es aber auch ziemlich grenzwertig finden. Und der Film weiß das sogar. Er zwinkert dem Publikum zu, benennt die seltsame Situation, spielt mit bekannten Motiven aus romantischen Komödien und tut so, als würde er seine eigene problematische Prämisse kontrollieren. Ganz gelingt das nicht.
Trotzdem funktioniert Voicemails for Isabelle über weite Strecken erstaunlich gut, und das liegt vor allem an Zoey Deutch. Sie trägt diesen Film mit einer Mischung aus Charme, Timing und echter Verletzlichkeit. Jill ist keine glatte Romcom-Figur, sondern jemand, der versucht, nach einem Verlust irgendwie weiterzumachen. Die besten Momente entstehen nicht, wenn der Film auf große romantische Gesten setzt, sondern wenn er zeigt, wie Trauer in ganz alltägliche Situationen hineinplatzt.
Nick Robinson hat ebenfalls sympathische Momente, aber Wes bleibt schwieriger. Nicht, weil Robinson schlecht spielt, sondern weil die Figur moralisch auf wackligem Boden steht. Der Film will, dass wir ihm verzeihen, lange bevor er wirklich genug dafür getan hat. Das nimmt der Liebesgeschichte etwas Kraft. Die Chemie ist da, aber sie muss gegen die Konstruktion der Handlung anspielen.
Regisseurin und Autorin Leah McKendrick inszeniert das Ganze warm, bunt und sehr bewusst als Liebeserklärung an die klassische romantische Komödie. Gleichzeitig ist der Film mit knapp zwei Stunden etwas zu lang. Manche Nebenfiguren, darunter Nick Offerman als Chef Bastien, bringen Farbe hinein, bleiben aber eher funktional. Auch einige Wendungen sind sehr vorhersehbar.
Am Ende ist Voicemails for Isabelle kein Meisterwerk, aber eine überdurchschnittlich charmante Netflix-Romcom. Emotional, manchmal etwas zu formelhaft, manchmal ein bisschen creepy, aber getragen von einer starken Hauptdarstellerin und einem echten Gefühl für Verlust, Nähe und die Frage, wie man nach einem Abschied wieder ins Leben zurückfindet.
Wertung: sieben von zehn Punkten.
