Handbuch einer Anstandsdame erschien 2025 – eine spanische Historienserie, die viel mehr ist als nur Kostümdrama. Sie spielt im Madrid der 1880er Jahre und hat mit ihrer charmanten Hauptfigur, der eleganten und scharfsinnigen Elena Bianda, eine echte Geheimwaffe. Was die Serie verspricht: Intrigen, gesellschaftliche Zwänge, eine Prise Romantik und dazu ein wunderbar inszeniertes Setting. Und ja – genau das bekommt man auch.
Mehr als Heiratsvermittlung
Im Zentrum der Handlung steht Elena, eine sogenannte Anstandsdame, die damit beauftragt wird, drei wohlhabende Schwestern unter die Haube zu bringen – und das möglichst gesellschaftlich passend. Doch Elena ist keine einfache Kupplerin, sondern eine kluge Beobachterin mit einer eigenen, nicht ganz makellosen Vergangenheit. Das macht sie zur idealen Figur für eine Geschichte, in der es um mehr geht als nur Heiratsvermittlungen. Es geht um Kontrolle, um Erwartungen, um weibliche Rollenbilder in einer Welt, die wenig Spielraum lässt.
Tempo und pointierte Dialoge
Was die Serie richtig gut macht: Sie erzählt das alles mit Tempo und Witz, ohne den historischen Rahmen zu verraten. Die Drehbücher haben einen modernen Ton, der aber nicht aus der Zeit fällt. Die Dialoge sind pointiert, manchmal bissig, oft überraschend ehrlich. Und das macht richtig Spaß.
Nadia de Santiago als Elena
Nadia de Santiago als Elena ist großartig. Sie spielt mit feinem Gespür für Nuancen, wirkt nie überzogen, nie aufgesetzt. Ihre Figur trägt die Serie, weil sie gleichzeitig verletzlich und souverän wirkt. Auch das Zusammenspiel mit den drei Schwestern – alle auf ihre Weise eine Herausforderung – funktioniert hervorragend. Jede von ihnen bringt eine eigene Geschichte mit, eigene Sehnsüchte, eigene Konflikte. Das sorgt für Dynamik und lässt die Serie nie in der Mittelmäßigkeit versinken.
Ausstattung im Dienst der Figuren
Was mir besonders gefallen hat, ist die Ausstattung. Das Madrid der achtzehnhundertachtziger wirkt lebendig, dicht, glaubwürdig. Die Kostüme sind wunderschön, aber nie nur Dekoration. Die Serie nutzt ihre Ästhetik, um Atmosphäre zu schaffen, nicht um zu protzen. Auch die Kameraarbeit ist solide – klassisch, aber wirkungsvoll, immer im Dienst der Figuren.
Gesellschaftliche Themen mit sanften Kanten
Natürlich ist das hier kein düsteres Gesellschaftsdrama. Handbuch einer Anstandsdame will unterhalten, nicht schockieren. Die Themen – patriarchale Strukturen, Selbstbestimmung, Klasse – sind da, aber sie werden elegant verpackt. Manchmal vielleicht zu elegant. Wer auf harte Kanten hofft, wird nicht unbedingt fündig.
Fazit
Aber das ist okay. Denn die Serie weiß, was sie sein will: eine smarte, charmante Mischung aus Romantik, Gesellschaftssatire und Charakterdrama – mit einem klaren Blick für das Leben der Frauen dieser Zeit.
