Nobody Wants This Staffel zwei ist am dreiundzwanzigsten Oktober fünfundzwanzig bei Netflix gestartet – und ich sag’s direkt: Diese Staffel hat es schwer, an den Charme und das Überraschungsmoment der ersten heranzukommen. Das heißt nicht, dass sie schlecht ist. Aber sie ist spürbar... naja, bequemer.
Das Leben nach dem romantischen Moment
Die Geschichte macht genau da weiter, wo Staffel eins aufgehört hat. Noah, der Rabbi, und Joanne, die laute, atheistische Podcasterin, sind jetzt ein Paar – offiziell, gemeinsam, verliebt. Aber genau da beginnt das neue Chaos: Wie lebt man zusammen, wenn man in so vielen Dingen so grundverschieden ist? Wie diskutiert man über Kinder, Religion, Familie, ohne dass einer sich selbst aufgeben muss? Die Serie will zeigen, was nach dem Happy End passiert – und das ist grundsätzlich spannend. Nur fühlt es sich diesmal oft so an, als würden die Konflikte ein bisschen im Kreis laufen.
Ein Paar tritt auf der Stelle
Noah bleibt sympathisch, aber ihm fehlt die Energie, die er in Staffel eins hatte. Er ist müder, vorsichtiger, fast passiv. Joanne dagegen ist weiterhin das lautere Element, was zu tollen Momenten führt – aber manchmal nervt sie auch. Sie geht kaum Kompromisse ein, schiebt Verantwortung von sich, nörgelt und blockt alles ab, was mit echter Veränderung zu tun hat. Das soll wahrscheinlich zeigen, wie schwer es ist, sich zu entwickeln. Aber es frustriert.
Dialoge und Nebenfiguren
Was gut funktioniert: Die Dialoge sind scharf, pointiert, oft herrlich unangenehm. Man merkt, dass hier Leute schreiben, die wissen, wie man Streit und Nähe in Sprache packt. Auch das Setting – New York, jüdische Feiertage, familiäre Zwischentöne – bleibt stark. Es ist selten, dass Serien so offen über Religion, Konversion und Alltagsglauben reden, ohne zu predigen oder peinlich zu werden.
Schön ist auch, dass Nebenfiguren wie Noahs Bruder Sasha oder Joannes Schwester mehr Raum bekommen. Vor allem Sasha bringt mit seiner trockenen Art oft genau die Ruhe rein, die Noah und Joanne fehlt. Aber es gibt auch Folgen, die sich ziehen. Gerade in der Mitte der Staffel hatte ich das Gefühl, dass die Serie nicht recht weiß, worauf sie hinauswill. Einige Episoden wirken wie Füllmaterial – gut gespielt, gut geschrieben, aber irgendwie ohne Biss.
Fazit
Unterm Strich bleibt Nobody Wants This charmant, aber die zweite Staffel tritt zu oft auf der Stelle. Es fehlen die echten Überraschungen, die emotionale Wucht, die Staffel eins so besonders gemacht hat. Stattdessen gibt es viel Diskussion, viele Wiederholungen und ein bisschen zu viel Absicherung. Ich hatte gehofft, dass man mutiger wird – gerade bei so einem originellen Setup.
Trotzdem: Wer das Paar mag, bleibt gerne dran. Die Chemie zwischen Kristen Bell und Adam Brody rettet auch schwächere Szenen. Aber wer auf große Entwicklungen oder neue Impulse hofft, wird eher enttäuscht. Für mich ist das eine gute, aber eben nicht großartige Staffel.
