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Leanne: Eine vertraute Sitcom findet etwas Herz

Kristen Johnstons Energie und ein warmes Ensemble helfen einer Komödie, die fest in klassischen Sitcom-Konventionen bleibt.

Leanne 😂 Mit 50 verlassen und plötzlich vor einem Neuanfang
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Leanne ist eine Netflix-Sitcom mit Leanne Morgan. Eine klassische Multi-Cam-Sitcom im Look von früher, aber mit Themen von heute – zumindest auf dem Papier. Ich gebe der Serie sechs von zehn Punkten. Denn so herzlich das Ensemble auch ist, so sehr bleibt die Inszenierung in den Konventionen hängen.

Im Mittelpunkt steht Leanne Morgan, die nach dreiunddreißig Jahren Ehe von ihrem Mann verlassen wird. Ohne Vorwarnung. Ihr ganzes Leben stand bisher unter dem Motto „Ehefrau, Mutter, Kirche“ – jetzt bricht das alles weg. Unterstützung bekommt sie von ihrer chaotischen, jüngeren Schwester Carol, die selbst mit ihrer Vergangenheit kämpft. Gemeinsam versuchen sie, Leannes Leben wieder auf die Beine zu stellen – zwischen Familienkonflikten, neuen Dates und der Suche nach sich selbst.

Die Serie startet mit einem eher zähen Piloten. Der Humor wirkt altbacken, und das künstlich aufgesetzte Gelächter hilft da auch nicht. Viele Gags fühlen sich wie Überbleibsel aus Leannes Stand-up-Programm an – nicht schlecht, aber eben schon mal gehört. Die Dialoge wirken in der ersten Folge formelhaft, die Pointen vorhersehbar. Doch ab Folge zwei nimmt das Ganze Fahrt auf. Die Chemie zwischen Leanne und Carol ist da. Und sie funktioniert.

Kristen Johnston als Carol ist das eigentliche Highlight. Sie wirbelt durch jede Szene, bringt Energie, Timing und echte Comedy-Erfahrung mit. Ihre Figur ist laut, unangepasst, emotional – aber immer mit Herz. Leanne Morgan bleibt dagegen eher zurückhaltend. Sie wirkt in manchen Momenten noch etwas unsicher im Serienformat, was ihre Stand-up-Präsenz nicht ganz durchscheinen lässt.

Das restliche Ensemble funktioniert gut: Celia Weston und Blake Clark als schrullige Eltern liefern charmante Sideplots. Ryan Stiles als Ex-Mann Bill spielt ruhig und verletzlich – eine gute Entscheidung. Jayma Mays als überengagierte Nachbarin und Graham Rogers als Leannes Sohn runden das Familienbild ab.

Die Serie will Themen wie Neustart in der Lebensmitte, Scheidung, weibliche Selbstständigkeit und Elternrolle anpacken – tut das aber eher an der Oberfläche. Es bleibt vieles angedeutet, ohne tiefer zu graben. Trotzdem schafft es Leanne in manchen Momenten, echte Emotion zu erzeugen. Wenn sich zwischen den Zeilen leise Traurigkeit und leiser Humor mischen, dann funktioniert das.

Optisch bleibt alles im klassischen Sitcom-Stil: Mehrkamera, hell ausgeleuchtet, farbenfroh, gemütlich. Wer Serien wie Mom oder Two and a Half Men mochte, wird sich hier wohlfühlen – aber auch nichts Neues entdecken.

Leanne ist keine Serie, die das Genre neu erfindet. Aber sie bietet solide Unterhaltung, ein paar echte Lacher, etwas Herz und einen vertrauten Look. Für Fans klassischer TV-Comedy mit Southern-Charme ist sie einen Blick wert. Für alle anderen vielleicht nur ein kleiner Zwischenstopp.

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