Arne Feldhusen nimmt dafür elf vollkommen ungeeignete Behördenangestellte und schickt sie ausgerechnet in ein Weiterbildungsprogramm für angehende Spitzenkräfte. Eine Verwechslung macht aus den vorgesehenen Streichkandidaten plötzlich High Potentials. Von da an stolpert die Gruppe durch verschiedene Arbeitswelten – fast ohne verständliche Dialoge, dafür mit Blicken, Körpern, Geräuschen und einer erstaunlichen Menge kontrolliertem Chaos.
Das klingt erst einmal nach Stromberg ohne Stromberg. Tatsächlich funktioniert Das Manko aber völlig anders. Die Figuren reden kaum, individuelle Psychologie spielt nur eine Nebenrolle, und selbst ihre Namen sind eher Zustandsbeschreibungen: Panik Manko, Romantik Manko, Horror Manko oder Gute Laune Manko. Entscheidend ist die Gruppe. Sophie Rois kommentiert ihr Verhalten aus dem Off wie eine Naturdokumentation über ein seltsames Herdentier, während die Mankos auf Telefonklingeln, Hierarchien und neue Aufgaben reagieren, als hätten sie die moderne Arbeitswelt gerade erst entdeckt.
Genau hier entsteht der besondere Humor. Ein beige-graues Büro, eine Rauchkabine oder ein fahrerloser Bus werden zu Spielflächen für präzise choreografierte Körperkomik. Arne Feldhusen und das elfköpfige Schauspielkollektiv verlassen sich nicht auf klassische Pointen, sondern auf Timing, Bewegung und Bildkomposition. Das funktioniert nur, weil Annika Meier, Sarah Bauerett, Julia Schubert, Florian Anderer, Sebastian Grünewald, Jonas Hien, David Simon, Bastian Reiber, Jan Krauter, Carol Schuler und Christoph Jöde extrem genau miteinander spielen. Dazu kommen Gastauftritte von Bjarne Mädel, Sophie Rois, Anna Mateur und weiteren bekannten Gesichtern.
Fast ebenso wichtig wie die Darsteller sind Musik und Sounddesign. Carsten Meyers verspielter Score, Philipp Feits Geräuschwelt, Benjamin Ikes' Schnitt sowie das bewusst triste Kostüm- und Szenenbild machen aus vielen Sequenzen beinahe einen Realfilm-Trickfilm. Wenn ein Stuhl quietscht, Luftpolsterfolie knackt oder eine ganze Gruppe gleichzeitig in Bewegung gerät, übernimmt der Ton die Aufgabe, die sonst ein Dialog oder eine Pointe erledigen würde. Gerade diese handwerkliche Konsequenz verhindert, dass das Konzept wie eine verlängerte Sketch-Idee wirkt, selbst wenn einzelne Motive später etwas deutlich zu oft wiederkehren.
Der Mut hat allerdings seinen Preis. Wer nach zwei Minuten bereits mit der wortarmen, überzeichneten Spielweise nichts anfangen kann, wird kaum plötzlich in Folge drei bekehrt. Manche wiederkehrenden Gags werden ausgereizt, und nicht jede Station der Reise besitzt dieselbe Präzision wie der starke Auftakt. Die Satire auf Leistung, Bürokratie und Hierarchien bleibt außerdem bewusst grob. Das Manko will keine fein ausgearbeitete Analyse der Arbeitswelt sein, sondern eine absurde Gegenwelt dazu.
Gerade deshalb ist die Serie so erfrischend. Deutsches Fernsehen riskiert selten etwas, das so konsequent an normalen Sehgewohnheiten vorbeigeht. Das Manko ist albern, kunstvoll, anstrengend und erstaunlich präzise zugleich. Nicht jeder Gag trifft, aber die Eigenständigkeit, das Ensemble und die audiovisuelle Umsetzung sind außergewöhnlich. Damit lande ich bei 8 von 10 Punkten.
