Der Film Momo hat schon im Vorfeld große Erwartungen geweckt. Schließlich gehört Michael Endes Roman zu den zeitlosen Klassikern, die seit Jahrzehnten immer wieder neu entdeckt werden. Entsprechend gespannt war ich, wie die Geschichte um das kleine Mädchen Momo, die grauen Männer und den Kampf um die gestohlene Zeit ins Heute übersetzt werden würde.
Die Handlung bleibt im Kern vertraut. Momo lebt in den Ruinen eines alten Amphitheaters, ein Kind, das eigentlich nichts besitzt und doch allen etwas zu geben hat: Aufmerksamkeit. Als die grauen Männer auftauchen, die den Menschen ihre Lebenszeit abpressen, beginnt eine Auseinandersetzung, die größer ist als alle Figuren darin. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, wie wir unsere begrenzten Stunden auf dieser Erde verbringen wollen. Genau darin liegt auch die Aktualität, denn kaum etwas wirkt heute so knapp wie unsere Zeit.
Die Umsetzung dieser Idee ist allerdings nicht immer stimmig. Man merkt dem Film den hohen Aufwand an: Gedreht wurde an malerischen Orten in Südeuropa, die Bilder sind groß und kraftvoll, und auch an digitalen Effekten wurde nicht gespart. Das sorgt für ein modernes Fantasy-Feeling, das an manchen Stellen durchaus beeindruckt. Doch genau hier verliert Momo ein Stück seiner Seele. Der Roman war nie als Effektkino gedacht, sondern als poetische Parabel. Wenn auf der Leinwand Actionsequenzen dominieren, dann fehlt oft der stille Zauber, der die Geschichte eigentlich tragen sollte.
Die Figuren sind solide besetzt. Alexa Goodall bringt als Momo eine sympathische Mischung aus Neugier und Empathie mit, die Figur wird aber manchmal zu sehr in eine klassische Heldinnenrolle gedrängt. Martin Freeman als Meister Hora hat die nötige Gravität, bleibt aber stellenweise erstaunlich blass. Auch die Nebenfiguren – Gino, Beppo oder die grauen Männer – bekommen zu wenig Raum, um wirklich Tiefe zu entwickeln. Man hat oft das Gefühl, dass die Dramaturgie hastig durch die Stationen eilt, anstatt innezuhalten. Gerade ein Film über das Innehalten sollte aber Mut zur Ruhe haben.
Inhaltlich ist Momo immer dann stark, wenn er seine Kernbotschaft ernst nimmt. Wenn gezeigt wird, wie das Lachen zwischen Freunden versiegt oder wie das Leben grau wird, weil nur noch Arbeit und Effizienz zählen, dann ist die Geschichte ergreifend. Doch zu oft wird diese Ebene nur angerissen und gleich wieder in plakative Bilder oder Erklärungen verpackt. Der Film traut seinem Publikum zu wenig zu, selbst die Leere zu spüren, die entsteht, wenn Zeit geraubt wird.
Auch tonal schwankt die Inszenierung. Manche Szenen sind dunkel und fast schon bedrohlich, was für Kinder recht intensiv wirken kann. Andere Passagen wiederum wirken fast steril, als ob man den emotionalen Kern zugunsten einer klaren Blockbuster-Formel geopfert hätte. Gerade das märchenhafte Element, das Spielerische, die Wärme – all das kommt zu kurz.
Natürlich gibt es auch Stärken. Die Thematik ist universell, die Optik oft beeindruckend, und die Aktualisierung ins Heute macht das Werk für ein junges Publikum zugänglich. Man spürt, dass hier viel Energie und ein großes Team am Werk waren. Aber trotz all des Aufwands fehlt die Magie, die Michael Endes Vorlage so besonders macht.
Am Ende bleibt ein Film, den ich als ambivalent bezeichnen würde. Einerseits sehenswert, weil er wichtige Fragen stellt und visuell viel bietet. Andererseits enttäuschend, weil er selten das Herz berührt. Für mich ist das keine Katastrophe, aber eben auch kein großer Wurf. Ich lande bei drei von fünf Sternen. Momo ist ambitioniert und relevant, aber nur stellenweise so bezaubernd, wie es hätte sein können.
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