In Wahrheit – Die Liebe und der Tod ist der zehnte gemeinsame Fall von Judith Mohn und Freddy Breyer. Christina Hecke und Robin Sondermann ermitteln diesmal in einem Fall, der mit einem Mord beginnt, sich aber schnell zu einer Geschichte über Stalking, digitale Bedrohung und die Unsicherheit entwickelt, wem man eigentlich glauben kann.
Tobias Schricker wird tot in der Wohnung seiner verschwundenen Ex-Freundin Katrin Sommer gefunden. Vieles deutet zunächst auf Katrin. Noch merkwürdiger wird es, als ihr neuer Partner Hannes Großmann berichtet, plötzlich mit aggressiven Nachrichten, Beschimpfungen und Drohungen von ihr bombardiert zu werden. Bald geraten auch Menschen aus seinem Umfeld ins Visier. Judith und Freddy suchen nach einer Frau, die scheinbar immer einen Schritt voraus ist.
Das stärkste Element des Films ist diese Verschiebung vom klassischen Mordrätsel zum psychologischen Katz-und-Maus-Spiel. Die Frage lautet lange nicht nur: Wer hat Tobias getötet? Viel wichtiger wird, wie leicht sich über Handys, soziale Netzwerke und digitale Spuren ein Bild von einem Menschen erzeugen lässt. Der Film nutzt Stalking dabei nicht bloß als dekorativen Thriller-Aufhänger. Er interessiert sich auch für Kontrollverlust, Angst und dafür, wie schnell das eigene Sicherheitsgefühl zerbrechen kann.
Christina Hecke passt mit ihrer ruhigen, beobachtenden Spielweise sehr gut zu diesem Ansatz. Judith Mohn urteilt selten vorschnell, während Freddy Breyer direkter und energischer auf Verdachtsmomente reagiert. Gerade weil das Duo inzwischen eingespielt ist, braucht der Film keine künstlichen Konflikte zwischen den Ermittlern. Kleine Blicke und kurze Gespräche reichen, um zu zeigen, dass hier zwei Menschen arbeiten, die einander vertrauen.
Gut funktionieren außerdem die ruhigeren privaten Momente rund um Judith und Alain. Sie wirken nicht wie Pflichtprogramm zwischen zwei Ermittlungsblöcken, sondern verlängern das Thema in den Alltag hinein. Dadurch bekommt die Bedrohung eine persönlichere Ebene: Stalking wird nicht nur als spektakulärer Fall betrachtet, sondern als Angriff auf Vertrauen, Nähe und das Gefühl, im eigenen Leben noch Kontrolle zu besitzen.
Ganz ohne Probleme funktioniert Die Liebe und der Tod trotzdem nicht. Je weiter der Fall eskaliert, desto stärker wirkt die Konstruktion hinter dem Drehbuch. Manche Entwicklung ist weniger glaubwürdig als wirkungsvoll, und wer einen sehr realistischen Polizeikrimi erwartet, dürfte sich an einigen Zuspitzungen stören. Auch die Spannung bleibt nicht durchgehend auf demselben Niveau. Der gesellschaftliche Anspruch ist deshalb überzeugender als jede einzelne Wendung.
Trotzdem ist das ein interessanter In Wahrheit-Fall, weil er ein vertrautes Krimimuster nutzt und anschließend zunehmend infrage stellt. Die Atmosphäre bleibt angenehm unaufgeregt, Hecke und Sondermann tragen den Film souverän, und das Stalking-Thema gibt der Geschichte mehr Gewicht als einem gewöhnlichen Samstagskrimi. Nicht alles ist plausibel, aber genug bleibt hängen. Dafür gibt es 6,5 von 10 Punkten.
