Facing El Chapo nähert sich einem bekannten Thema aus einem sinnvollen Blickwinkel. Chava Cartas möchte aus einem Kartellboss keinen attraktiven Antihelden machen. Im Mittelpunkt stehen zwei Polizisten, die ein gestohlenes Auto anhalten und feststellen, dass ihr Passagier zu den gefährlichsten Männern Mexikos gehört. Eine gewöhnliche Schicht wird zur Entscheidung zwischen Pflicht, Geld und der Sicherheit ihrer Familien.
Druck auf engem Raum
Arturo Carmona und Héctor Rosales sind gewöhnliche Berufstätige statt unbesiegbarer Actionhelden. Alfonso Herrera und Noé Hernández machen ihre Geldsorgen und persönlichen Ängste glaubhaft. Die beengten Schauplätze passen zu einem Thriller, der seine Kraft stärker aus der Möglichkeit von Gewalt als aus ständigen körperlichen Auseinandersetzungen zieht. Héctor Kotsifakis gibt El Chapo eine ruhige Autorität: Ein Versprechen kann beinahe so bedrohlich klingen wie eine Warnung. Am stärksten ist der Film, wenn diese unterschiedlichen Druckmittel gleichzeitig im Raum stehen.
Ein ungleichmäßiger Aufbau
Die frühen Szenen nehmen sich Zeit für die Familien der Polizisten. Das müsste verdeutlichen, was für sie auf dem Spiel steht. Zugleich beginnt der Film langsam, und die Figuren gewinnen nicht genug Tiefe, um jede Verzögerung zu rechtfertigen. Auch nach Beginn der zentralen Situation entsteht Spannung nur ungleichmäßig. Manche Passagen sind konzentriert, andere wirken für die dargestellte Gefahr zu kontrolliert oder konventionell. Die Ausgangslage enthält ein ungewöhnlich schwieriges moralisches Problem, das der Film nicht immer weit genug treibt.
Dramatisierung statt Dokumentation
Die Geschichte ist von realen Ereignissen inspiriert. Ihre Gespräche und privaten Vorgeschichten werden dadurch aber nicht zur dokumentarischen Aufzeichnung. Die tatsächlichen Namen der Polizisten sind nicht öffentlich bekannt; der Film dramatisiert ihre Lage mit Figuren. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn am interessantesten ist die Perspektive von Menschen, die zwischen einem mächtigen Verbrecher und einem korrupten Umfeld stehen. Die Stärke liegt im Druck auf ihre Entscheidungen, nicht im Anspruch, jedes Detail sei genau so geschehen.
Fazit
Facing El Chapo ist ein solider, kompakter Thriller mit einem klugen Blickwinkel und guten Darstellungen. Mir gefällt, dass er die Bedrohung nicht romantisiert. Seine dramatischen Möglichkeiten sind jedoch stärker als der ungleichmäßige Spannungsaufbau und die etwas dünne Charakterzeichnung. Außergewöhnlich wird er deshalb nicht. Die Spannung trägt häufig genug, um mich bei der Sache zu halten, aber aus dem Stoff wäre mehr herauszuholen gewesen. Meine Wertung: 6,5 von 10 Punkten.
