Das Versprechen, einen packenden Thriller auf Basis eines realen Geiseldramas zu zeigen, klingt erstmal stark. Der Film basiert auf einem echten Vorfall aus dem Februar zweitausendzweiundzwanzig, bei dem ein Mann in einem Apple Store in Amsterdam mehrere Geiseln nahm und zweihundert Millionen Euro in Kryptowährung forderte. Regie führt Bobby Boermans, das Drehbuch stammt von Simon de Waal – beides Namen, die im niederländischen Spannungs-Kino keine Unbekannten sind.
Was iHostage durchaus gut macht, ist seine Ausgangslage: Man merkt, dass hier ein echtes Ereignis die Grundlage war. Die Situation wird nüchtern eingefangen, fast dokumentarisch. Keine überinszenierten Heldenszenen, kein künstlicher Hollywood-Pathos. Die Kameraführung bleibt ruhig, fast distanziert, und dieser Ansatz hätte funktionieren können – wenn der Film es geschafft hätte, emotional greifbar zu bleiben.
Die Geschichte dreht sich vor allem um Ilian, einen jungen Mann, der eher zufällig in die Geiselnahme hineingerät, gespielt von Admir Šehović. Parallel sehen wir den Geiselnehmer Ahmad, dargestellt von Soufiane Moussouli, der zwar bedrohlich wirkt, aber nie wirklich greifbar wird. Und genau hier liegt das Problem: Beide Figuren bleiben letztlich blass. Die Motive des Täters werden angedeutet, aber nie wirklich ausgelotet. Es gibt kaum emotionale Anker, keine tiefere psychologische Ebene. Ich habe immer wieder darauf gewartet, dass die Geschichte tiefer gräbt – aber sie kratzt meist nur an der Oberfläche.
Auch die Spannung ist so eine Sache. Der Film beginnt stark, das Szenario hat natürlich ein gewisses Grundinteresse. Doch dann passiert… nicht viel. Es fehlt an dramaturgischer Entwicklung. Die Eskalation bleibt aus, die Figuren entwickeln sich nicht wirklich weiter, und das, was in einem echten Thriller für Herzklopfen sorgen sollte, wirkt hier eher wie ein durchgespieltes Protokoll. Die Polizeiarbeit wird korrekt, aber ohne neue Impulse dargestellt. Es ist, als hätte man auf Realismus gesetzt und darüber vergessen, eine Geschichte zu erzählen, die fesselt.
Was bleibt, ist ein Film, der mehr will, als er kann. Die Inszenierung ist technisch solide, der dokumentarische Stil konsequent, aber emotional lässt iHostage zu viel liegen. Es fehlt an Reibung, an Tiefe, an Figuren, mit denen man mitfiebern kann. Ich hätte mir gewünscht, dass der Film entweder kompromisslos als nüchterne Doku-Fiktion durchgezogen wird – oder aber mutiger in Richtung psychologisches Drama oder Thriller geht. So bleibt er irgendwo dazwischen hängen.
Unterm Strich ist iHostage kein Totalausfall, aber auch kein Film, der lange im Kopf bleibt. Wer sich für die echte Geschichte interessiert, bekommt hier einen sachlichen Überblick – wer auf echtes Kinoerlebnis hofft, wird eher enttäuscht.
