Am zehnten Juli fünfundzwanzig ist Brick auf Netflix erschienen – ein deutschsprachiger Psychothriller, der sich mit einer dichten Prämisse ankündigt: Ein Pärchen wird in seiner Wohnung von einer mysteriösen Mauer eingeschlossen, die von außen erscheint und jede Verbindung zur Welt kappt. Kein Ausgang, kein Netz, keine Erklärung. Klingt erstmal spannend – ist es auch, zumindest eine Weile.
Im Zentrum stehen Tim und Olivia, gespielt von Matthias Schweighöfer und Ruby O. Fee. Die beiden haben gerade eine Fehlgeburt verarbeitet und versuchen sich zusammenzuraufen, als plötzlich die Welt um sie herum verschwindet. Die Chemie zwischen ihnen stimmt, besonders zu Beginn, als noch nicht alles in bedeutungsschweren Monologen versinkt. Schweighöfer hält sich angenehm zurück, spielt ruhiger, verletzlicher. Fee wirkt intensiv, manchmal etwas überzogen, aber glaubwürdig. Die Beziehung der beiden ist eine der Stärken des Films – nur leider bleibt es nicht dabei.
Was nämlich folgt, ist ein Kammerspiel, das sich zunehmend verliert. Nebenfiguren wie der schräge Yuri, die misstrauischen Nachbarn, ein kauziger Opa und ein Kind dienen zwar als Kontrast, aber sie bleiben meist bloße Platzhalter. Die Dialoge wirken oft eher wie Phrasen aus einem Escape-Room-Baukasten als eine echte Auseinandersetzung mit dem Geschehen. Und das ist schade, denn die Grundidee hat richtiges Potenzial.
Inszenatorisch ist Brick ordentlich: Die Kameraarbeit ist solide, die Beleuchtung unterstützt die zunehmende Enge, und es gibt durchaus clevere Übergänge. Aber der Film leidet unter zu viel Gewolltheit. Jede Szene will etwas bedeuten, jede Einstellung schreit „Symbolik!“ – und genau das macht es manchmal anstrengend. Statt subtiler Psychologie bekommt man überdeutliche Aussagen über selbst gebaute Mauern und bedeutungsschwangere Blicke durch zerbrochene Spiegel. Das fühlt sich nicht durchdacht, sondern aufgedrückt an.
Im Mittelteil lahmt das Tempo gewaltig. Die Figuren rennen durch Wohnungen, diskutieren, schreien, versöhnen sich, schreien nochmal – aber es passiert erstaunlich wenig. Die Spannung flackert, statt sich aufzubauen. Wenn es dann im letzten Drittel endlich Richtung Auflösung geht – mit Codes, Nanotechnologie und Feuer als Trigger – wirkt das eher wie ein krampfhaftes Konstrukt als ein durchdachter Storybogen. Und selbst die Flucht wirkt mehr inszeniert als verdient.
Das größte Problem von Brick ist, dass er mehr sein will, als er tatsächlich ist. Er will tiefsinnig, philosophisch und emotional sein – bietet aber zu oft platte Archetypen, flache Dialoge und eine Struktur, die zwar visuell reizt, inhaltlich aber leerläuft.
Ich gebe dem Film sechs von zehn Punkten. Wer auf düstere Kammerspiele mit Mystery-Einschlag steht und nicht allzu viel Tiefgang erwartet, kann ihn sich anschauen. Aber wirklich hängen bleibt er nicht. Brick ist wie seine titelgebende Wand: massiv inszeniert, aber emotional schwer zugänglich.
