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House of Guinness: Stark produziert, zu bemüht erzählt

Steven Knights Familiensaga hat Atmosphäre und visuelle Kraft. Die überladenen Konflikte und überzeichneten Figuren hätten mehr Disziplin gebraucht.

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Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

House of Guinness hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Ich war neugierig, weil Steven Knight hinter dem Projekt steht – ein Name, den man spätestens seit Peaky Blinders mit stilvollem, wuchtigem Geschichtenerzählen verbindet. Und ja, die Serie sieht wieder großartig aus: opulente Sets, atmosphärische Musik, dunkle Farben, rauchige Pubs, große Herrenhäuser, aufgeladene Familiendramatik. Nur: Was auf der Oberfläche glänzt, wackelt im Inneren.

Die Serie spielt im neunzehnten Jahrhundert und dreht sich um die Kinder von Sir Benjamin Guinness – allen voran Arthur, Edward, Anne und Benjamin junior. Es geht um Macht, Geld, Alkohol, Kirche, Irland, England, Intrigen – also alles, was man für ein gutes Historiendrama braucht. Und teilweise funktioniert das auch. In Momenten, in denen nicht gesprochen wird, sondern die Kamera erzählt, entsteht eine Sogwirkung. Die Kameraarbeit ist präzise, das Sounddesign eindringlich. Viele Bilder bleiben hängen: Regen, der an Fenstern bricht, eine Faust, die sich langsam zur Wut ballt, eine Kirche, in der mehr Politik als Glaube regiert.

Was für mich allerdings nicht funktioniert, ist die Balance zwischen Historie und Drama. Ich bin nicht der Typ, der auf historische Genauigkeit pocht – ich weiß, dass Serien dramaturgisch zuspitzen müssen. Aber hier wird so vieles so stark überzeichnet, dass die Figuren manchmal wie Karikaturen wirken. Arthur ist der ehrgeizige Macher, Edward der labile Bruder, Anne die unbeugsame Idealistin – und alle agieren, als wären sie sich ihrer historischen Bedeutung zu bewusst. Es fehlt oft die Natürlichkeit, das Ungesagte. Stattdessen wird viel erklärt, gestritten, gedroht. Und das wirkt irgendwann ermüdend.

Ein weiterer Punkt: Das Pacing. Einige Folgen ziehen sich. Gerade in der Mitte der Staffel hatte ich das Gefühl, dass die Serie sich zu sehr auf Nebenplots verliert. Politische Gespräche ohne Ziel, Familiendramen ohne Konsequenz. Klar, die Zeitlinie springt – was ich prinzipiell mag –, aber es fehlt an Struktur. Manche Konflikte bauen sich auf und verpuffen. Andere tauchen plötzlich auf, ohne Vorbereitung. Es wirkt manchmal, als hätte man sich nicht entscheiden können, ob man ein scharfes Charakterdrama oder ein episches Familiensaga-Epos erzählen will – und beides gleichzeitig schafft die Serie nicht.

Die schauspielerischen Leistungen sind solide bis gut. Anthony Boyle als Arthur hat Kraft, aber auch eine gewisse Steifheit. Emily Fairn überzeugt mich als Anne mit viel Haltung und klarem Blick. Louis Partridge als Edward bringt Energie rein, ist aber manchmal etwas zu modern im Ausdruck. Was mir fehlt, ist eine Figur, die mich wirklich mitnimmt, emotional berührt – nicht nur durch Leid, sondern durch echte Entwicklung.

Positiv ist: House of Guinness hat Mut zum Stil. Die Musik, die Übergänge, das Produktionsdesign – das ist alles hochwertig. Man merkt, dass hier Budget und Vision vorhanden waren. Das trägt viel zur Atmosphäre bei. Es gibt Szenen, da funktioniert alles: Bild, Ton, Spiel, Bedeutung – und da sieht man, was diese Serie hätte sein können, wenn sie sich etwas mehr diszipliniert hätte.

Ich gebe House of Guinness sieben von zehn Punkten. Stark produziert, optisch eindrucksvoll, mit guten Ansätzen – aber inhaltlich oft zu bemüht, zu überladen und zu wenig subtil. Wer ein Händchen für dramatisierte Familiengeschichten im historischen Rahmen hat, wird hier sicher einiges finden. Wer Tiefgang, Überraschung und feine Figurenzeichnung sucht, bleibt eher auf der Strecke.

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