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In seinen Händen: Gute Zutaten, wenig Druck

Der Patagonien-Thriller hat Atmosphäre und solide Darsteller. Schwerfälliges Tempo und aufdringliche Musik schwächen die Spannung.

In seinen Händen 🔍 Lohnt sich der neue Netflix-Thriller?
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

In seinen Händen hat mich als Thriller enttäuscht.

Dabei klang auf dem Papier alles vielversprechend. Eine engagierte Journalistin, ein verschwundenes Mädchen, ein charismatischer Sozialarbeiter mit dubioser Vergangenheit, und das alles eingebettet in die raue Landschaft Patagoniens. Die Zutaten sind da. Aber wie so oft kommt es auf die Zubereitung an – und die ist hier eher lasch geraten.

Die Geschichte folgt Ema Garay, die sich einen Namen gemacht hat, indem sie Kriminelle durch investigative Onlineformate auffliegen lässt. Als die sechzehnjährige Martina verschwindet, stößt Ema bei ihrer Recherche auf Leo Mercer, einen scheinbar vorbildlichen Sozialarbeiter. Es dauert nicht lange, bis die Grenzen zwischen Wahrheit, Verdacht und Vergangenheit verschwimmen – zumindest theoretisch. Praktisch plätschert die Handlung vor sich hin, ohne dass echter Druck aufgebaut wird. Es wird geredet, geschwiegen, herumgeschaut – aber selten wirklich erzählt.

Was wirklich schade ist: Die erste Folge, mit ihren knapp über sechzig Minuten, könnte der Auftakt zu einem packenden Thriller sein. Doch sie zieht sich, wirkt schwerfällig und überinszeniert. Man wartet auf den Moment, in dem es endlich Klick macht – aber der kommt nicht. Und das liegt nicht daran, dass man als Zuschauer nicht aufpasst, sondern daran, dass einfach zu wenig passiert, das einen wirklich packt.

Die Figuren sind solide gezeichnet, aber irgendwie bleibt alles auf Distanz. Soledad Villamil als Ema bringt durchaus Glaubwürdigkeit mit, bleibt emotional aber erstaunlich kühl. Alberto Ammann als Leo ist undurchsichtig, was in einem Thriller eigentlich ein Pluspunkt wäre – nur leider fehlt es seiner Figur an echter Tiefe. Beide wirken, als wüssten sie selbst nicht so recht, wohin ihre Charaktere wollen. Und vielleicht wissen es die Drehbuchautorinnen auch nicht.

Was wirklich unangenehm auffällt, ist die Musik. Die ist laut, präsent und will unbedingt suggerieren: „Hier passiert jetzt was Wichtiges!“ – aber leider verfehlt sie genau das. Statt Atmosphäre zu schaffen, legt sie sich wie eine dicke Schicht Zwang über die Szenen und stört mehr, als dass sie hilft.

Am Ende bleibt eine Serie, die versucht, großes Drama mit psychologischem Tiefgang zu verbinden, aber in ihrem eigenen Anspruch stecken bleibt. Die Produktion ist nicht schlecht, das Thema hat Potenzial, aber die Umsetzung wirkt zäh, konstruiert und überraschungsarm.

Wer großer Fan von Harlan Coben ist, wird wahrscheinlich trotzdem reinschauen. Aber wer auf echte Spannung hofft, der kann sich das Warten sparen.

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