Reacher kehrt in seiner vierten Staffel mit Alan Ritchson zurück. Die neue Staffel basiert auf Lee Childs Roman Gone Tomorrow und beginnt mit einer verstörenden Begegnung in einer U-Bahn. Jack Reacher gerät dadurch in einen Fall, der schnell größer wird als erwartet und ihn mit Behörden, politischen Interessen sowie neuen Verbündeten und Gegnern zusammenbringt.
Das vertraute Rezept unter Druck
Das klingt nach dem üblichen Reacher-Rezept, und genau das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Alan Ritchson spielt den ehemaligen Militärpolizisten weiterhin mit der Mischung aus stoischer Ruhe, trockenem Humor und körperlicher Präsenz, die die Serie trägt. Staffel 4 versucht aber stärker, ihn aus seiner Komfortzone zu holen. Der Fall ist komplizierter, die politische Ebene deutlicher und Reacher kann nicht jedes Problem einfach mit einem klaren moralischen Urteil abhaken.
Härtere Kämpfe und neue Partner
Besonders gut funktioniert, dass die Action abwechslungsreicher wirkt. Die Staffel setzt stärker auf direkte Nahkämpfe und körperliche Auseinandersetzungen als auf endlose Schießereien. Dadurch fühlt sich Reacher wieder unmittelbarer an. Die Kämpfe sind hart, aber nicht bloß Selbstzweck: Sie zeigen, dass dieser Mann zwar fast unaufhaltsam wirkt, diesmal aber sichtbar stärker gefordert wird. Gleichzeitig bleibt der trockene Humor erhalten, sodass die düstere Grundstimmung nicht alles erdrückt.
Auch das neue Ensemble bringt frische Energie. Sydelle Noel als Tamara Green und Christopher Marquette als Jacob Merrick geben Reacher Figuren an die Seite, die mehr sind als bloße Stichwortgeber. Besonders Merrick bringt emotionale Unruhe in eine Serie, deren Hauptfigur sonst fast immer die Kontrolle behält. Agnez Mo und Anggun erweitern den Fall um eine internationale Ebene, ohne dass Reacher plötzlich wie eine andere Serie wirkt. Tamara funktioniert dabei besonders gut als Gegenpol: kompetent genug, um Reacher nicht nur hinterherzulaufen, aber eigenständig genug für eigene Entscheidungen.
Eine kompliziertere Verschwörung
Das größte Problem liegt im Plot. Die Verschwörung wächst mit jeder Folge, und irgendwann sind so viele Behörden, Interessen und Informationen im Spiel, dass die Serie erklären muss, was gerade passiert. Manche Dialoge existieren spürbar nur, um die Handlung wieder zu sortieren. Nach vier Staffeln zeigt sich außerdem etwas Verschleiß: Man kennt den Rhythmus aus mysteriösem Fall, neuen Partnern, mächtigen Gegnern und Reachers kompromissloser Lösung.
Die Staffel braucht außerdem etwas Zeit, bis die verschiedenen Fäden richtig ineinandergreifen. Sobald das passiert, zieht die zweite Hälfte deutlich an. Gerade dadurch fällt aber auf, wie viel Exposition vorher nötig war. Eine kompliziertere Geschichte ist eben nicht automatisch eine elegantere.
Fazit
Trotzdem funktioniert diese Maschine erstaunlich gut. Staffel 4 ist düsterer, körperlicher und ambitionierter, ohne den einfachen Reiz der Serie zu verlieren. Sie erfindet Reacher nicht neu, findet aber genug neue Reibung, damit Alan Ritchson weiterhin Spaß macht. Wer die Serie bisher mochte, bekommt genau das, was er erwartet – nur härter und etwas anspruchsvoller. Das sind 8 von 10 Punkten.
