Diese Kritik bespricht alle vier Folgen von La Palma. Also perfekt für einen Abend, an dem man Lust auf Katastrophe, Familiendrama und ein bisschen Pseudo-Wissenschaft hat.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine norwegische Familie macht Urlaub auf der Kanareninsel La Palma. Eigentlich wollten sie nur entspannen, aber wie es halt so kommt, gerät der Vulkan Cumbre Vieja plötzlich in Bewegung. Es droht ein Mega-Tsunami, der nicht nur die Insel, sondern gleich halb Europa gefährden könnte. Parallel dazu verfolgen wir ein Forscher-Duo, das die drohende Katastrophe frühzeitig erkennt und – natürlich – gegen die Ignoranz der Behörden ankämpfen muss. Klassischer Aufbau, kennt man. Was mich aber wirklich überrascht hat: Das Tempo stimmt. Die Serie verliert keine Zeit mit unnötigem Gerede. Nach wenigen Minuten ist klar, hier wird’s ernst.
Visuell ist das Ganze ziemlich stark. Die Aufnahmen auf La Palma – und vermutlich auch Teneriffa – sind beeindruckend. Der Mix aus Urlaubskulisse, Vulkankratern und später den Effekten der Naturgewalt funktioniert. Die CGI-Effekte sind für eine Miniserie ordentlich. Klar, das ist kein Kinobudget, aber es sieht nie billig aus. Und es gibt einige Momente, die wirklich Wucht haben – gerade wenn Wasser und Feuer aufeinanderprallen.
Aber: Es gibt auch einiges, was mich gestört hat. Die Charaktere zum Beispiel. Die Familie wirkt teilweise wie aus dem Katastrophenfilm-Baukasten. Vater übervorsichtig, Mutter impulsiv, die Teenager-Tochter trotzig, der Sohn zurückgezogen. Die Konflikte innerhalb der Familie fühlen sich oft aufgesetzt an, als bräuchte die Story zwingend irgendein Drama, selbst wenn draußen gerade die Welt untergeht. Besonders die Tochter Sara hat mich manchmal echt genervt – ständig schlechte Entscheidungen, aber irgendwie überlebt sie immer alles. Unrealistisch und dramaturgisch faul.
Spoiler: Das Ende erklärtNur öffnen, wenn du die Auflösung erfahren möchtest.
Auch die Forscherfiguren sind etwas eindimensional geraten. Sie dienen im Grunde nur dazu, dem Zuschauer zu erklären, was da gerade passiert. Dabei wären sie eigentlich die interessanteren Charaktere gewesen. Vor allem, weil ihre Handlungsebene tatsächlich Spannung erzeugt, während sich die Familiengeschichte oft im Kreis dreht. Dazu kommen Logiklöcher: Ein Flugzeugabsturz mitten im Chaos, Überlebende in Situationen, die völlig unplausibel sind – da fragt man sich schon, ob das Drehbuch manchmal mehr auf Effekt als auf Glaubwürdigkeit gesetzt hat.
Was ich der Serie aber lassen muss: Sie ist kurz, knackig und verliert nie den Fokus. Kein unnötiger Ballast, kein endloses Hin und Her. Auch auf Kitsch wird weitgehend verzichtet, was bei Katastrophenstoffen selten ist. Dafür gibt’s solide Spannung, schöne Bilder und das gute Gefühl, nach rund drei Stunden alles gesehen zu haben.
Unterm Strich ist „La Palma“ kein Meisterwerk, aber auch kein Reinfall. Wer auf Katastrophenstoffe mit Urlaubsflair steht, wird gut unterhalten. Wer tiefgründige Figuren, realistische Handlungsverläufe oder echte emotionale Tiefe sucht, wird eher enttäuscht. Ich geb der Serie solide sechs von zehn Punkten – nett anzusehen, schnell verdaut, aber auch schnell vergessen.
