His & Hers bringt alles mit, was man sich von einem modernen Mystery-Thriller verspricht: eine düstere Kleinstadt, eine Leiche, eine Vergangenheit voller Risse und zwei Hauptfiguren, die emotional kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Die Serie basiert auf dem Roman von Alice Feeney und erzählt ihre Geschichte in sechs Episoden, die man problemlos in kurzer Zeit durchschauen kann.
Im Zentrum steht Anna Andrews, eine ehemalige Fernsehjournalistin, die nach Jahren in ihre Heimatstadt zurückkehrt, als dort eine junge Frau ermordet aufgefunden wird. Der Fall trifft Anna härter, als sie zunächst zugibt, denn das Opfer stammt aus ihrem früheren Umfeld. Parallel dazu leitet ihr Ex-Mann Jack Harper als Detective die offiziellen Ermittlungen. Diese doppelte Perspektive ist der große erzählerische Motor der Serie: Hier die subjektive, emotionale Sicht einer Frau, die eigentlich nie zurückkehren wollte, dort die scheinbar nüchterne, aber ebenfalls belastete Sicht eines Polizisten, der privat viel tiefer verstrickt ist, als ihm lieb sein kann.
Thematisch interessiert sich His & Hers weniger für klassische Whodunit-Mechanik als für Schuld, Verdrängung und die Frage, wie sehr unsere Vergangenheit bestimmt, wer wir heute sind. Die Serie nimmt sich viel Zeit für innere Konflikte, Erinnerungsfetzen und unausgesprochene Vorwürfe. Das funktioniert besonders gut in den ersten Episoden, wenn Atmosphäre und Spannung sauber aufgebaut werden und jede Begegnung ein ungutes Gefühl hinterlässt. Die Kleinstadt wirkt nicht idyllisch, sondern erstickend, voller Blicke und unausgesprochener Geschichten.
Schauspielerisch trägt vor allem die Hauptdarstellerin die Serie. Ihre Figur wirkt verletzlich, kontrolliert und zugleich ständig kurz davor, emotional zu kippen. Das ist glaubwürdig und oft sehr stark. Ihr Gegenpart bleibt etwas spröder, körperlich präsent, aber emotional nicht immer so greifbar, wie es die Geschichte eigentlich verlangen würde. Dadurch leidet stellenweise die Dynamik zwischen den beiden, obwohl das Drehbuch klar darauf abzielt, genau aus dieser Beziehung Spannung zu ziehen.
Inszenatorisch setzt die Serie auf gedämpfte Farben, ruhige Kamerabewegungen und ein Tempo, das bewusst entschleunigt ist. Das verleiht der Geschichte Gewicht, kostet aber auch Drive. Gerade im Mittelteil gibt es Längen, in denen man das Gefühl hat, die Serie dreht sich mehr um Stimmung als um echte Fortschritte im Plot. Einige Figuren aus dem Umfeld bleiben zu skizzenhaft, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.
Das Finale setzt auf einen großen erzählerischen Kniff, der überraschen soll und auch Gesprächsstoff liefert. Mutig ist das ohne Frage, vollständig überzeugend jedoch nicht für jeden, weil sich rückblickend nicht alle erzählerischen Fäden wirklich sauber zusammenfügen.
Unterm Strich ist His & Hers ein atmosphärisch dichter, gut gespielter Thriller mit psychologischem Fokus, der starke Ansätze hat, sich aber nicht immer traut, sie konsequent auszuspielen. Keine Enttäuschung, aber auch kein Serienhighlight, sondern solides, stellenweise sehr gutes Netflix-Drama mit klaren Schwächen.
