Eine Brille gegen die Gewohnheit
John Nada entdeckt durch eine besondere Sonnenbrille eine zweite Ebene seiner Umgebung. Werbebotschaften werden zu Befehlen, vertraute Gesichter wirken plötzlich fremd. John Carpenter erzählt diese Entdeckung ohne komplizierte Umwege. Seine einfache Idee trifft eine Welt, in der Konsum, Medien und Macht bestimmen, was Menschen für selbstverständlich halten.
Die Schwarz-Weiß-Bilder hinter den Brillengläsern geben der Kritik eine prägnante Form. Sie leben! ist keine fein ausgearbeitete politische Abhandlung, sondern eine wuchtige Mischung aus Science-Fiction, Verschwörung und Action. Gerade seine Direktheit macht ihn so einprägsam.
Körper statt großer Reden
Roddy Piper trägt Nada mit seiner rauen, körperlichen Präsenz. Sein zurückhaltendes Spiel ist begrenzt, passt aber zu einem Mann, der erst beobachten muss, bevor er handelt. Keith David gibt Frank mehr Erdung und schafft einen überzeugenden Gegenpart.
Ihr ausgedehnter Kampf in einer Gasse ist zugleich absurd und wirkungsvoll. Aus einem Streit um eine Brille wird ein körperliches Ringen darum, überhaupt hinsehen zu wollen. Carpenters rhythmische Musik und die trostlose Stadtatmosphäre verstärken die Wirkung. Manche Dialoge sind grob, die Figuren bleiben teilweise knapp gezeichnet und der Schluss kommt etwas abrupt.
Fazit
Sie leben! überzeugt als eigenwilliger, geradliniger Genrefilm. Seine Verbindung aus Medienkritik, düsterer Atmosphäre und handfester Action funktioniert auch jenseits seiner Achtzigerjahre-Ästhetik. Die begrenzte Figurenzeichnung verhindert größere Tiefe, nimmt dem Film aber nicht seine Energie und seine treffende Grundidee. Die Wertung liegt bei 8 von 10 Punkten.
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