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The Last House: Das Überleben ist stärker als die Erklärung

Ein versiegeltes Familienhaus erzeugt überzeugenden Druck. Die späteren Science-Fiction-Antworten lösen das aufgebaute Spannungsversprechen nicht ein.

The Last House 🏠 Is Netflix’s Sci-Fi Worth It?
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The Last House klingt zunächst nach einem ziemlich einfachen Hochkonzept: Ann und Jason wollen mit ihren Kindern Graham und Ruth das Haus verlassen, doch plötzlich sind Türen und Fenster versiegelt. Kommunikation bricht zusammen, draußen regnet es ununterbrochen, und niemand weiß, was die Familie eigentlich festhält.

Am stärksten ist der Film immer dann, wenn er diese Ausgangslage ernst nimmt. Statt sofort auf große Effekte zu setzen, interessiert sich Louis Leterrier zunächst für praktische Fragen: Wie teilt man Vorräte ein? Wie organisiert man den Alltag, wenn Hilfe ausbleibt? Was macht monatelange Isolation mit einer Familie? Genau hier entwickelt The Last House eine unangenehme Nähe zu den Erfahrungen der Pandemie, ohne sie direkt nachzuspielen. Das Zuhause, normalerweise Schutzraum, wird Stück für Stück zur Falle.

Wagner Moura gibt Jason viel Energie und hält den Film auch dann zusammen, wenn das Drehbuch ins Schwimmen gerät. Greta Lee spielt Ann kontrollierter, bekommt aber weniger markante Momente. Interessant ist vor allem, wie die Familie als Einheit funktioniert: Zusammenhalt hilft, löst aber nicht automatisch Angst, Frust und wachsende Spannungen. Auch das Haus selbst wird fast zur Hauptfigur. Enge Räume, blockierte Ausgänge und die ständig präsente Außenwelt erzeugen über weite Strecken mehr Spannung als die eigentliche Bedrohung. Gerade die Konzentration auf einen begrenzten Schauplatz hilft Leterrier, weil jede kleine Veränderung im Raum sofort Bedeutung bekommt. Dazu kommt Yair Elazar Glotmans Musik, die familiäre Wärme und unterschwellige Bedrohung gegeneinander ausspielt, ohne den Film permanent zuzudröhnen.

Genau dort liegt aber auch das größte Problem. Je länger The Last House sein Rätsel hinauszögert, desto stärker verspricht der Film eine Erklärung, die dem Aufbau gerecht werden müsste. Der spätere Wechsel in deutlich offenere Science-Fiction und Horror funktioniert nur teilweise. Manche Ideen wirken größer, als das Drehbuch sie wirklich durchdenkt, und der Film verliert etwas von der klaustrophobischen Wirkung, sobald er versucht, seine Welt zu erklären. Auch einige Dialoge sind zu sauber formuliert und klingen eher nach Trailerzeilen als nach Menschen, die seit langer Zeit unter extremem Druck stehen.

Das ist schade, weil die Grundidee stark genug gewesen wäre, um einen wesentlich härteren und konzentrierteren Film zu tragen. Auch die Entscheidung, reale Überlebensstrategien stärker einzubauen, gibt dem Mittelteil Glaubwürdigkeit und macht deutlich, wie viel spannender das Konkrete hier oft ist als das Spektakuläre. Stattdessen zieht sich The Last House mit fast zwei Stunden spürbar und landet bei einem Finale, das mehr Fragen aufwirft, als es befriedigend beantwortet.

Trotzdem ist das kein kompletter Reinfall. Die ersten zwei Drittel haben Atmosphäre, die Hauptdarsteller tragen die schwächeren Stellen, und die Idee vom eigenen Haus als Gefängnis bleibt hängen. Für einen spannenden Filmabend funktioniert das durchaus. Als wirklich großer Science-Fiction-Thriller verschenkt der Film aber zu viel Potenzial. Dafür gibt es fünf Komma fünf von zehn Punkten.

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