David Robert Mitchell, der mit It Follows bekannt wurde, macht ausgerechnet aus einem Dinosaurierfilm ein Familiendrama über eine Vorstadt, die buchstäblich aus ihrer vertrauten Welt gerissen wird. Denise und Greg Platt, gespielt von Anne Hathaway und Ewan McGregor, stecken längst in einer Ehekrise, als ein kosmisches Ereignis ihre Straße an einen unbekannten Ort versetzt. Plötzlich wird aus Nachbarschaftsfrust ein Überlebenskampf.
Die Grundidee ist fast lächerlich einfach – und genau deshalb funktioniert sie so gut. Dinosaurier sind im Kino längst nichts Besonderes mehr. Hier tauchen sie aber nicht auf einer Insel, in einem Labor oder in einer futuristischen Anlage auf, sondern zwischen Einfamilienhäusern, Vorgärten und Familienautos. Mitchell nutzt diese Reibung konsequent. Das Vertraute wird bedrohlich, ohne dass der Film seine absurde Seite verstecken muss. The End of Oak Street fühlt sich deshalb weniger wie ein weiterer Jurassic-Park-Abklatsch an als wie ein verlorener Blockbuster aus den achtziger Jahren, der plötzlich zweitausendsechsundzwanzig im Kino gelandet ist.
Anne Hathaway ist dabei der wichtigste emotionale Anker. Denise ist nicht einfach nur die Mutter, die ihre Kinder beschützen muss. Ihre Unzufriedenheit mit dem bisherigen Leben gibt dem Spektakel ein echtes Fundament. Ewan McGregor spielt Greg deutlich verletzlicher und unbeholfener, als man es von einem klassischen Abenteuerhelden erwarten würde. Maisy Stella und Christian Convery funktionieren ebenfalls, weil die Kinder nicht bloß als Rettungsobjekte behandelt werden. Die Familie hat schon vor den Dinosauriern Probleme, und genau deshalb bekommt das Chaos Gewicht.
Besonders stark ist Mitchells Gespür für Spannung. Seine Horror-Wurzeln sind ständig spürbar, obwohl der Film kein reiner Horrorfilm sein will. Er lässt das Ungewöhnliche erst langsam in den Alltag einsickern und baut die großen Kreaturen nicht nur als bloße Attraktionen auf. Gleichzeitig trägt Michael Giacchinos Musik die bewusst altmodische Abenteuerstimmung, ohne dass der Film jede Minute mit nostalgischem Augenzwinkern erklären muss, welche Klassiker er gerade zitiert.
Ganz ohne Probleme geht das nicht. Die Nähe zu Spielberg, Amblin, Poltergeist und natürlich Jurassic Park ist so offensichtlich, dass manche Ideen eher vertraut als neu wirken. Außerdem bleibt das kosmische Ereignis selbst erstaunlich vage. Wer eine präzise Erklärung dafür erwartet, warum Oak Street überhaupt in dieser Situation landet, dürfte unbefriedigt bleiben. Auch die Familienkonflikte bewegen sich teilweise auf ziemlich bekannten Bahnen.
Trotzdem ist genau diese Mischung aus Vorstadtkomödie, Familiendrama, Creature Feature und Sommer-Blockbuster der Reiz. The End of Oak Street nimmt seine Figuren ernst, ohne den Spaß an einer vollkommen verrückten Ausgangslage zu verlieren. Er ist nicht so originell, wie er zunächst wirkt, aber deutlich lebendiger als viele Franchise-Spektakel, die größer auftreten und dabei viel weniger Persönlichkeit besitzen. Damit ist das einer der angenehmsten Überraschungsfilme dieses Kinosommers. Acht von zehn Punkten.
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