Bei Die nackte Kanone sage ich ganz ehrlich: ich war neugierig, aber skeptisch. Eine der kultigsten Slapstick-Reihen bekommt ein Reboot mit Liam Neeson in der Hauptrolle? Klingt erstmal wie ein Casting-Gag, entpuppt sich dann aber als ziemlich cleverer Schachzug. Denn Neeson spielt den neuen Frank Drebin Junior mit einer stoischen Ruhe, die viele Gags noch absurder wirken lässt. Er ist nicht Leslie Nielsen – aber er nimmt die Rolle ernst genug, um sie komisch zu machen. Und das ist genau das, was diese Art von Humor braucht.
Die Handlung? Nebensache. Frank Jr. ermittelt in einem Mordfall rund um einen dubiosen Tech-Konzern und stolpert dabei über eine Verschwörung, die irgendwas mit Gedankenkontrolle und einer Killermaschine namens P.L.O.T. zu tun hat. Mehr muss man nicht wissen, denn der Plot ist nichts weiter als ein dünner Aufhänger für eine Lawine an Gags, Wortspielen, Slapstick und absurden Szenenwechseln. Es geht um das Tempo, nicht um die Tiefe. Der Film prescht durch seine achtzig-plus Minuten wie ein Comedy-Zug ohne Bremse – und das ist Fluch und Segen zugleich.
Was funktioniert? Vieles. Die Gags kommen im Minutentakt, oft sogar im Sekundentakt. Visuelle Pointen, Dialog-Wortspiele, absurde Seitenszenen – man merkt, dass hier Menschen mit einem Faible für klassischen Slapstick am Werk waren. Es gibt Szenen, bei denen ich laut lachen musste – besonders wenn Neeson komplett trocken bleibt, während um ihn herum alles explodiert, kollabiert oder in völlige Absurdität abdriftet. Ein Highlight ist definitiv Pamela Anderson. Ja, richtig gelesen. Sie spielt Franks Love Interest Beth, eine True-Crime-Autorin mit ernsten Ambitionen und einer eigenen Agenda. Und sie ist gut. Richtig gut. Nicht nur überraschend pointensicher, sondern auch charismatisch und kontrolliert. Keine Witzfigur, sondern jemand, der den Irrsinn um sich herum ernst nimmt – was den Humor oft noch stärker macht.
Was weniger funktioniert, ist der Rhythmus des Films. Das erste Drittel ist ein wilder Ritt, das zweite hält das Level, aber gegen Ende geht dem Film die Luft aus. Es wirkt, als ob das Pulver zu früh verschossen wurde. Die Gags werden vorhersehbarer, das Timing holpriger, und die letzte große Action-Szene wirkt eher wie eine pflichtbewusste Hommage als wie ein echtes Finale. Auch die Story selbst ist so dünn, dass sie fast zerbricht – was anfangs egal ist, aber zum Schluss spürbar wird.
Trotzdem: Ich hatte Spaß. Der Film ist laut, blöd, überdreht – aber genau das soll er auch sein. Er versucht gar nicht erst, eine moderne Satire zu sein oder Slapstick neu zu erfinden. Er ist eine Liebeserklärung an ein Genre, das schon oft für tot erklärt wurde. Die Dialoge sind manchmal stumpf, manchmal clever, nie subtil – aber häufig effektiv. Und die Regie lässt Raum für die Gags zu atmen, ohne sich in Technik zu verlieren.
Ist Die nackte Kanone also ein großer Wurf? Nein. Ist er ein gelungener Neustart? Bedingt. Aber er ist verdammt unterhaltsam, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Wer das Original liebt, wird sich über manche Szenen freuen, andere vermissen. Wer einfach nur lachen will, bekommt hier eine ordentliche Dosis. Ich gebe dem Film sieben von zehn Punkten – mit einem dicken Extra-Smiley für Liam Neesons Mut, sich hier komplett zum Affen zu machen. In Würde, wohlgemerkt.
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