Bei Mädchen Mädchen gilt: Das Remake macht genau das, was es soll. Es nimmt das Original von Anfang der zweitausender, wirft den Sexismus raus, behält die Energie, dreht sie hoch und übersetzt alles in ein modernes, diverses, unverschämt ehrliches Teenie-Kino.
Im Mittelpunkt stehen Inken, Vicky und Lena – gespielt von Kya-Celina Barucki, Julia Novohradsky und Nhung Hong. Drei Freundinnen, drei Persönlichkeiten, ein gemeinsames Ziel: der erste Orgasmus. Klingt wie Klamauk, ist aber clever, frech und erstaunlich sensibel erzählt. Inken kämpft mit ihrem unsicheren Freund Tim und einer peinlichen Freibadszene, Vicky muss sich mit einem Vaginalpilz rumschlagen und Lena erforscht ihre Sexualität heimlich in Online-Foren, bevor sie sich traut, mit Nick wirklich Nähe zuzulassen.
Was mich überrascht hat: Der Film macht Witze – und zwar viele – aber er macht sich nicht über seine Figuren lustig. Er lacht mit ihnen, nicht über sie. Die Sexualität der Mädchen wird nicht als Problem dargestellt, sondern als etwas Natürliches, etwas, das sie sich selbst erarbeiten, ohne dabei Männer als Maßstab zu setzen. Das ist selten. Und ehrlich gesagt: richtig gut gemacht.
Die Regie von Martina Plura bringt viel Energie rein. Die Kameraarbeit, ebenfalls von Monika Plura, ist direkt, lebendig und vor allem nahe an den Gesichtern der Mädchen – man spürt die Unsicherheit, das Kichern, das Unwohlsein und die Freude. Alles fühlt sich glaubwürdig an. Keine überstilisierten Instagram-Momente, sondern echte Vibes.
Das Drehbuch von Katharina Kiesel ist rotzig, aber nie doof. Die Gags sitzen, die Sprache klingt nach heute. Die Mädchen reden so, wie Mädchen wirklich reden. Der Humor ist scharf, körperlich, manchmal auch richtig derb – aber immer mit einem gewissen Charme, der das Ganze nie ins Peinliche kippen lässt.
Kya-Celina Barucki bringt als Inken eine Mischung aus Coolness und Verletzlichkeit auf die Leinwand. Julia Novohradsky gibt ihrer Vicky genau die richtige Portion Chaos und Ehrlichkeit, während Nhung Hong Lena mit zurückhaltender Wärme spielt. Das Trio harmoniert gut. Auch die Nebenrollen funktionieren: Henning Baum als leicht überforderter Vater, Yoran Leicher als heimlich verliebter Flin, Zoë Pastelle Holthuizen als überstylte Gegenspielerin Cheyenne – da passt viel.
Natürlich gibt es Szenen, die direkt ans Original erinnern – inklusive des berüchtigten Fahrradsattel-Moments. Aber der wird hier charmant neu inszeniert, ohne Fremdscham, sondern mit einem Augenzwinkern, das sich bewusst ist, dass es ein Kultmoment ist.
Klar, der Film ist keine Revolution. Er bleibt im Rahmen eines klassischen Coming-of-Age-Plots. Die Struktur ist bekannt, die Konflikte vertraut. Aber er bringt so viel neue Energie, Haltung und Witz rein, dass das nicht stört.
Ich gebe Mädchen Mädchen solide vier von fünf Sternen. Es ist ein lauter, witziger, mutiger Film über Freundschaft, Körper, Selbstfindung und das Chaos dazwischen. Wer Lust auf ehrliches, modernes Jugendkino hat – mit Sex, Herz und Haltung – ist hier genau richtig. Kein billiger Remake-Abklatsch, sondern ein Film, der was zu sagen hat und das auch noch richtig unterhaltsam tut.
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