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Riefenstahl: Die Zerlegung des Mythos der unschuldigen Künstlerin

Andres Veiel untersucht mit privaten Archiven und präziser Montage Propaganda und die beharrliche Selbstinszenierung einer Filmemacherin.

Riefenstahl 🎥 Wie Leni Riefenstahl ihre eigene Legende baute
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Diese tiefgehende Doku geht anhand von Riefenstahls persönlichem Nachlass auf das Leben und die psychologische Komplexität einer Künstlerin ein, die für ihre Nähe zum Nationalsozialismus und die unvergleichliche Bildsprache berüchtigt ist. Der Film setzt sich intensiv mit ihrem widersprüchlichen Charakter auseinander und dem „Mythos Riefenstahl“, den sie über Jahrzehnte selbst konstruiert hat.

Veiels Zugang zum Nachlass - bestehend aus über siebenhundert Kisten mit Filmen, Briefen und Notizen - ermöglicht eine dekonstruktive Annäherung an Riefenstahls Lebenswerk und lässt den Film beinahe wie ein Puzzle erscheinen. Dabei gelingt es, Riefenstahls strategisch gewählte Selbstinszenierungen zu durchleuchten und die oft auf Lügen basierenden Erzählungen zu enttarnen. Besonders eindrucksvoll ist, wie Veiel Filmmaterial geschickt montiert: Wenn Riefenstahl in einem Interview behauptet, „Triumph des Willens“ enthalte keine Rassenideologie, zeigt er im direkten Anschluss Szenen, die diese Aussage widerlegen. So entsteht ein kritisches Bild, das Riefenstahl nicht nur als faszinierte Opportunistin zeigt, sondern auch als Frau, die den Totalitarismus ästhetisch idealisierte und bis zuletzt ihre „unschuldige“ Künstlerrolle verteidigte.

Der Film zeichnet Riefenstahl als leidenschaftlich begabte Filmemacherin, die ihr Talent ohne Reue in den Dienst der NS-Propaganda stellte. Werke wie Olympia oder Triumph des Willens zeigen eine Ästhetik, die einerseits Körperkult und Disziplin verherrlicht und zugleich das „Unvollkommene“ verachtet. Veiel bringt dabei besonders die manipulative Kraft dieser Bildsprache zur Geltung, die noch heute in politischen und propagandistischen Zusammenhängen genutzt wird. Die Doku schafft es, den Bogen zur Gegenwart zu schlagen und uns daran zu erinnern, wie gefährlich das Zusammenspiel aus Bildästhetik und politischer Propaganda ist – ein Thema, das mit aktuellen Diskussionen um „Fake News“ und Medieneinfluss erschreckend aktuell bleibt.

Durch den Einsatz von Originalaufnahmen und Gesprächen, die erstmals veröffentlicht werden, gelingt es Veiel, eine differenzierte Darstellung zu schaffen, die dennoch Raum für persönliche Interpretation lässt. Dabei betont er das Leben hinter der Kamera, in dem Riefenstahl sich unerschütterlich als Opfer der Nachkriegsberichterstattung stilisierte und den „Mythos der unschuldigen Künstlerin“ verteidigte. Riefenstahls Nachlass enthüllt jedoch eine Frau, die auch in ihrem privaten Umfeld faschistische Ideale nie gänzlich ablegte.

Riefenstahl ist ein faszinierendes Werk, das sowohl die zerstörerische Macht der Propaganda aufzeigt als auch einen kritischen Blick auf die Mechanismen der Selbstinszenierung wirft. Veiel ist mit diesem Film eine wichtige Erinnerung gelungen, wie sehr politisches Gedankengut von visueller Ästhetik beeinflusst werden kann. Riefenstahl fordert uns heraus, historische und gegenwärtige Verbindungen zu hinterfragen und bietet eine analytische Perspektive auf das Werk einer Künstlerin, die sich bis zuletzt als unpolitische Beobachterin darstellte.

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