Der Titel klingt nach Wut, nach Rebellion, nach Aufbruch – und genau diese Spannungen verhandelt der Film auch, aber auf eine viel stillere, feinere Weise, als man vielleicht erwarten würde. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel, verfilmt von Constanze Klaue, und spielt in der ostdeutschen Provinz. Zwei Brüder, Philipp und Tobi, wachsen in einer Gegend auf, die geprägt ist von Strukturbruch, Frust, Entfremdung und einem unübersehbaren Vakuum an Perspektive.
Was mich an diesem Film sofort abgeholt hat, ist seine entschiedene Ruhe. Trotz des kämpferischen Titels schreit hier niemand. Der Film zeigt, was passiert, wenn niemand zuhört. Wenn Familien auseinanderfallen, weil keiner spricht. Wenn Jugendliche ihren Platz suchen und nur Leere finden. In der ersten Hälfte gelingt das auf bedrückend eindringliche Weise. Klaue verlässt sich ganz auf die Beobachtung, lässt Szenen stehen, vertraut ihren Darstellerinnen und Darstellern – und das zahlt sich aus.
Die Brüder, gespielt von Levi Eisenblätter und Pierre-Louis Schmitz, wirken absolut glaubwürdig. Gerade Eisenblätter als der zurückhaltendere Philipp trifft die leisen Töne genau. Kein überdramatisiertes Teenagerdrama, sondern eine Figur, die in sich hineinschaut und nicht weiß, wohin mit dem, was sie dort findet. Die Entwicklung ist schleichend, fast beiläufig – und genau deshalb so real.
Visuell unterstützt das die Kameraarbeit mit einer starken Bildsprache. Weite Einstellungen machen klar, wie isoliert diese Welt ist, wie klein die Menschen in ihr wirken. Es gibt kaum Farben, wenig Musik, viel Grau, viel Schweigen. Diese Entscheidung, auf alles Überflüssige zu verzichten, passt perfekt zur Trostlosigkeit der Umgebung, in der diese Jungs aufwachsen.
In der zweiten Hälfte wechselt der Film die Tonlage ein wenig. Die Wut kommt sichtbarer zum Vorschein, vor allem bei Tobi, dessen Radikalisierung angedeutet, aber nicht ausformuliert wird. Hier verliert der Film ein wenig an Schärfe. Einige Entwicklungen hätten mehr Raum gebraucht, wirken zu schnell abgehandelt. Auch das Thema Rechtsextremismus bleibt eher ein Hintergrundrauschen als ein bewusst gesetzter Fokus. Ich hätte mir da mehr Mut zur Konfrontation gewünscht.
Trotzdem bleibt Mit der Faust in die Welt schlagen ein bemerkenswertes Porträt über das Erwachsenwerden unter Bedingungen, die wenig Hoffnung lassen. Es ist ein Film, der beobachtet statt bewertet. Der zuhört statt zu erklären. Und der genau deshalb lange nachwirkt. Ein wichtiges Stück deutsches Kino, roh, ungeschönt und vor allem: ehrlich. Kein lauter Schlag, sondern ein langsames Grollen – aber es trifft.
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