Ein ehrliches Leben ist eine Netflix-Verfilmung von Joakim Zanders Roman. Regie führte Mikael Marcimain, das Drehbuch stammt von Linn Gottfridsson, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Joakim Zander. Und der Film hat definitiv Stil – aber wenig Substanz.
Im Mittelpunkt steht Simon, gespielt von Simon Lööf. Ein Jurastudent in Lund, der sich durch ein emotionsloses Leben zwischen Uni, Partys und wohlhabenden Freunden hangelt. Als er bei einer Demonstration die geheimnisvolle Max trifft – gespielt von Nora Rios mit kühler Anziehungskraft – gerät er in eine Untergrundgruppe, die Reiche beraubt. Die Aktionen inszenieren sich als politisches Statement, aber sie wirken eher wie ein egozentrisches Spiel.
Simons Charakter bleibt über die gesamte Laufzeit seltsam passiv. Er beobachtet, driftet, reagiert selten. Diese Leere scheint bewusst gewählt – eine Studie über Orientierungslosigkeit, über eine Generation, die nicht weiß, was sie will. Nur leider erzeugt das kaum Spannung. Selbst am Ende gibt es keine Entwicklung, keinen Moment, der wirklich hängen bleibt. Simon bleibt ein Zuschauer seines eigenen Lebens.
Was der Film richtig macht, ist Atmosphäre. Die Kamera von Joe Maples fängt Lund in kaltem, stilisiertem Licht ein. Die Bilder wirken edel, fast schon werbeästhetisch. Der Soundtrack setzt spannende Kontraste – klassische Musik trifft auf Rap, studentische Feste auf politisches Pathos. Visuell ist das stark, keine Frage.
Aber inhaltlich bleibt vieles an der Oberfläche. Die Gruppe rund um Max wirkt eher wie ein Outfit als eine echte Bewegung. Ihre Motive bleiben vage, ihre Aktionen folgen keiner klaren Linie. Die politische Botschaft, die anfangs mitschwingt, verliert sich schnell im Nebel aus Posen und Andeutungen. Es gibt kein echtes Risiko, keine Konsequenz, keinen inneren Konflikt, der sich wirklich entfaltet.
Nora Rios bringt eine gewisse Spannung in ihre Rolle, aber auch Max bleibt letztlich eher Idee als Mensch. Die Beziehung zwischen ihr und Simon entwickelt sich sprunghaft, ohne emotionale Tiefe. Der Rest des Casts – darunter Peter Andersson, Nathalie Merchant, Willy Ramnek Petri – bleibt weitgehend blass.
Der Film will viel: Klassenkritik, Generationenporträt, Thriller, Liebesgeschichte. Aber er bringt nichts davon ganz zu Ende. Es wirkt, als hätte man schöne Einzelteile, aber kein klares Ziel. Was bleibt, ist ein Film, der sich schick anfühlt, aber inhaltlich nichts trägt.
Für alle, die visuelle Stimmung und entschleunigte Filme mögen, mag das reizvoll sein. Wer aber auf echte Entwicklung, klare Figuren und emotionale Tiefe hofft, wird enttäuscht. Ich gebe Ein ehrliches Leben zwei von fünf Sternen. Optisch stark, erzählerisch schwach.
