Wer bei Bella Roma – Liebe auf Italienisch denkt, er bekommt hier eine klassische Postkarten-Romantikkomödie, liegt nur zur Hälfte richtig. Der Film ist mehr als nur Gelato, Vespa und Fontana di Trevi – aber leider auch nicht ganz so viel mehr, wie er selbst gerne wäre.
Im Zentrum steht das dänische Ehepaar Gerda und Kristoffer, gespielt von Bodil Jørgensen und Kristian Halken. Zum vierzigsten Hochzeitstag bekommen sie von ihrer Tochter eine Reise nach Rom geschenkt – eine Geste, die zuerst süß wirkt, aber schnell zum Prüfstein wird. Denn für Gerda ist Rom kein Neuland. Sie hat hier einst Kunst studiert – und geliebt. Und zwar Johannes, ihren damaligen Dozenten, gespielt von Rolf Lassgård. Die beiden treffen wieder aufeinander. Was folgt, ist eine stille, oft spröde, manchmal komische Dreiecksdynamik, in der sich alte Fragen neu stellen: Was ist geblieben? Was wurde verdrängt? Und wie lebt man weiter, wenn plötzlich alles wieder aufflackert?
Die Idee, ein Ehepaar in dieser Spätphase der Beziehung nach Rom zu schicken, funktioniert anfangs gut. Die Stadt ist nicht nur Kulisse, sondern wird zur Spiegelung der Gefühle: die Brüche, das Glänzende, das Alte unter dem Neuen. Regisseur Niclas Bendixen nutzt Rom nicht überdekoriert, sondern mit leichtem Realismus. Man sieht Touristen, Straßenszenen, das echte Leben zwischen den Sehenswürdigkeiten. Die Kamera von Manuel Alberto Claro fängt das alles mit sanfter Bewegung ein – nichts drängt sich auf, aber vieles schwingt mit.
Schauspielerisch liegt hier die größte Stärke. Bodil Jørgensen bringt diese Mischung aus Frust, Sehnsucht und Würde mit so viel Leben, dass man ihr jede Erinnerung abnimmt. Ihre Gerda ist weder Opfer noch Rebellin, sondern eine Frau, die in Bewegung ist – innerlich, leise, aber konsequent. Kristian Halken als Kristoffer ist das genaue Gegenteil: passiv, brummig, manchmal auch witzig, aber eben auch verletzlich. Und Rolf Lassgård schafft es, den früheren Geliebten nicht als Verführer oder Bösewicht zu zeichnen, sondern als Mensch mit Wehmut, Witz und Würde.
Was dem Film fehlt, ist ein klarer Rhythmus. Die erste Hälfte zieht sich. Man spürt, dass viel in der Luft liegt, aber es kommt nicht wirklich in Bewegung. Die Dialoge wirken dann zu gesetzt, die Szenen zu ausgedehnt. Erst im letzten Drittel verdichtet sich die Geschichte und bekommt die emotionale Schlagkraft, die ich mir schon vorher gewünscht hätte. Dann kracht es – nicht laut, aber klar. Und dann ergibt auch der Humor mehr Sinn, weil er aus der Reibung kommt, nicht aus Slapstick.
Thematisch geht es um Liebe nach dem Glanz, um das Nachdenken über verpasste Wege und die Frage, ob es zu spät ist, sich nochmal zu ändern. Diese Fragen stellt der Film aufrichtig – aber manchmal etwas zu vorsichtig. Er will nicht zu dramatisch sein, aber auch nicht nur Komödie. Dieser Spagat gelingt nicht immer. Für mich hätte es mehr Mut zur Kante gebraucht, mehr emotionale Reibung.
Am Ende bleibt ein ruhiger, warmherziger Film mit einer starken Hauptdarstellerin, schönen Bildern und leisen Momenten. Kein großes Gefühlskino, aber ein ehrlicher Blick auf das, was bleibt, wenn man vierzig Jahre miteinander verbracht hat – und plötzlich merkt, dass man nicht alles gesagt hat.
Ich gebe drei von fünf Sternen. Bella Roma – Liebe auf Italienisch ist charmant, klug gespielt und solide gemacht. Aber er bleibt zu lange in der Warteschleife, bevor er wirklich etwas wagt. Wer Geduld mitbringt und sich auf die Figuren einlässt, wird belohnt. Wer Tempo und Tiefe gleichzeitig will, könnte etwas unterfordert sein.
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