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Spaziergang nach Syrakus: Die Heimat lieben, Freiheit wollen

Charly Hübner und Lina Beckmann tragen ein leises DDR-Drama, dessen ungewöhnliche Reise stärker ist als sein ungleichmäßiges Tempo.

Spaziergang nach Syrakus ⛵ Charly Hübners ungewöhnliche DDR-Reise
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Spaziergang nach Syrakus erzählt eine DDR-Geschichte, die sich erstaunlich wenig wie ein klassischer Fluchtfilm anfühlt. Charly Hübner spielt Paul Gompitz, einen Rostocker Kellner, der Anfang der Achtzigerjahre nur einen scheinbar bescheidenen Wunsch hat: einmal nach Italien reisen, auf den Spuren von Johann Gottfried Seume bis nach Syrakus. Das Problem ist nicht sein Ziel, sondern sein Pass. Paul darf die DDR nicht einfach verlassen, obwohl er gar nicht dauerhaft wegwill. Also beginnt er, jahrelang einen Weg hinaus zu planen – mit dem festen Vorsatz, anschließend wieder nach Hause zu seiner Frau Anne zurückzukehren.

Genau darin liegt der ungewöhnlichste Reiz des Films. Regisseur Lars Jessen macht aus Paul keinen klassischen Helden, der nur möglichst schnell über die Grenze muss. Viel wichtiger ist die Frage, warum jemand seine Heimat liebt und sich trotzdem nicht damit abfinden kann, dass ein Staat über seine Bewegungsfreiheit entscheidet. Paul sammelt Wissen über Segeln, Radar und Navigation, sucht nach Westgeld und versucht zugleich, niemanden in seine Pläne hineinzuziehen. Diese Vorbereitung nimmt einen großen Teil der Laufzeit ein. Das ist konsequent, aber auch die größte Geduldsprobe des Films.

Charly Hübner trägt diese Langsamkeit mit seinem trockenen, leicht melancholischen Spiel erstaunlich gut. Paul ist kauzig, stur und manchmal fast komisch pedantisch, aber nie bloß eine schräge Figur. Lina Beckmann ist als Anne mindestens genauso wichtig. Zwischen beiden entsteht eine glaubwürdige Nähe, die nicht aus großen Liebeserklärungen besteht, sondern aus kleinen Blicken, Gewohnheiten und unausgesprochenen Ängsten. Gerade weil Anne ahnt, dass Paul etwas plant, ohne alles zu wissen, bekommt ihre Beziehung eine stille Spannung.

Visuell setzt Jessen nicht auf graue DDR-Klischees allein. Die Ostseeküste kann genauso schön aussehen wie später Italien. Das passt zum Kern der Geschichte: Paul will nicht weg, weil er alles hasst, sondern weil er wissen möchte, was außerhalb seines begrenzten Lebens möglich ist. Im letzten Drittel verändert sich der Film deutlich. Italien wird heller, luftiger und teilweise fast wie eine Reisedokumentation inszeniert. Die animierten Postkarten und Kartenmotive sind charmant, wirken aber auch etwas gefälliger als der konzentrierte erste Teil.

Genau hier liegen die Schwächen. Die jahrelange Vorbereitung wird stellenweise zu ausführlich erzählt, während die eigentliche Reise fast zu schnell vorbeizieht. Manche Szenen wirken eher berichtet als erlebt, und die Rahmenhandlung nimmt dem Ausgang zusätzlich Spannung. Wer einen packenden DDR-Thriller wie Ballon erwartet, dürfte deshalb enttäuscht sein.

Als leises Drama über Fernweh, Heimat und Selbstbestimmung funktioniert Spaziergang nach Syrakus jedoch deutlich besser. Hübner und Beckmann geben der Geschichte Wärme, ohne sie sentimental zu machen, und die wahre Vorlage bleibt faszinierend. Nicht jeder Abschnitt findet das richtige Tempo, aber die zentrale Frage bleibt hängen: Wie frei ist man, wenn man nicht einmal für eine Reise selbst entscheiden darf? Dafür gibt es 6,5 von 10 Punkten.

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