DAS UNABHÄNGIGE FILMJOURNALHorrOctober2026
filmbuZZer
← Zurück zu den FilmenFILMKRITIK / 2026

People We Meet on Vacation: Viel Chemie, wenig Risiko

Die Hauptdarsteller machen diese romantische Reise sympathisch. Ihre glatt vertraute Konstruktion lässt allerdings wenig Platz für Überraschungen.

People We Meet on Vacation 💛 Charming, Popular... and Too Safe?
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Brett Haley adaptiert Emily Henrys Bestseller als klassische Friends-to-Lovers-Romcom: Poppy ist spontan, reisefreudig und ständig in Bewegung, Alex dagegen liebt Routinen und Pläne. Trotzdem verbringen die beiden über Jahre hinweg jeden Sommer gemeinsam im Urlaub. Als sie sich nach längerer Funkstille bei einer Hochzeit in Barcelona wiederbegegnen, holt der Film ihre gemeinsame Geschichte in Rückblenden nach.

Das klingt vertraut, und genau darin liegt zugleich Stärke und Problem des Films. People We Meet on Vacation will das Genre nicht neu erfinden. Er setzt auf Gegensätze, jahrelang verdrängte Gefühle, attraktive Reiseziele und die Frage, warum zwei Menschen, die gut miteinander funktionieren, so lange brauchen, um das selbst zu erkennen. Der entscheidende Faktor ist deshalb die Chemie zwischen Emily Bader und Tom Blyth. Bader bringt als Poppy die Energie, den Humor und die leichte Unberechenbarkeit mit, die die Figur braucht. Blyth spielt Alex bewusst zurückhaltender. Gerade dieser Kontrast sorgt dafür, dass ihre Beziehung trotz vieler bekannter Romcom-Muster nicht künstlich wirkt.

Schwieriger wird es bei der Struktur. Der Film springt zwischen Gegenwart und verschiedenen Urlauben der vergangenen Jahre. Dadurch entsteht zwar das Gefühl einer langen gemeinsamen Geschichte, aber nicht jeder Abschnitt bekommt genug Raum, um wirklich Gewicht zu entwickeln. Die fast zehnjährige Freundschaft muss in knapp zwei Stunden verdichtet werden. Manche emotionale Wendung fühlt sich deshalb eher behauptet als gewachsen an. Genau hier merkt man am stärksten, dass ein umfangreicher Roman auf Spielfilmlänge gebracht wurde.

Visuell funktioniert die Reiseidee deutlich besser. Barcelona, New Orleans und die wechselnden Schauplätze geben der Geschichte Farbe und verhindern, dass sich die romantische Wiederholung zu statisch anfühlt. Gleichzeitig bleibt das Ganze angenehm und manchmal fast zu glatt. Der Film kennt seine Zielgruppe genau und möchte sie eher umarmen als überraschen. Das ist sympathisch, nimmt den Konflikten aber auch Schärfe. Der Soundtrack mit Taylor Swift, boygenius und Billie Eilish unterstreicht dabei sehr deutlich, auf welches romantische Streaming-Publikum der Film zielt.

Die Nebenbesetzung mit Sarah Catherine Hook, Lucien Laviscount, Jameela Jamil, Molly Shannon und Alan Ruck ist stark besetzt, bekommt aber nur begrenzt Raum. Im Zentrum stehen konsequent Poppy und Alex. Das ist grundsätzlich richtig, verstärkt jedoch den Eindruck, dass alles außerhalb dieser Beziehung hauptsächlich dazu dient, die beiden endlich in die erwartete Richtung zu schieben.

People We Meet on Vacation ist keine neue When Harry Met Sally-Generation und auch nicht die große Wiedergeburt der romantischen Komödie. Dafür ist der Film zu vorhersehbar und stellenweise zu komprimiert. Aber Bader und Blyth tragen ihn mit genügend Charme, die Reiseatmosphäre funktioniert, und als entspannte Netflix-Romcom erfüllt er ziemlich genau das, was er verspricht. Warm, hübsch, leicht vergesslich – aber keineswegs misslungen. Dafür gibt es 6,5 von 10 Punkten.

Die Kritik auf YouTubeDu schaust lieber zu? Dieser Artikel gehört zur veröffentlichten filmbuZZer-Kritik.Kritik auf YouTube ansehen