One Night Only hat eine Prämisse, bei der man sofort denkt: Das könnte entweder herrlich verrückt oder komplett daneben werden. In dieser leicht dystopischen Version der USA ist Sex vor der Ehe verboten – außer in einer einzigen Nacht pro Jahr. Genau in diesen 12 Stunden treffen Allie, gespielt von Monica Barbaro, und Owen, gespielt von Callum Turner, immer wieder aufeinander. Beide suchen eigentlich nach jemand anderem, merken aber schnell, dass zwischen ihnen mehr passiert als nur die nächste Gelegenheit für einen schnellen Flirt.
Regisseur Will Gluck, der mit Einfach zu haben und Wo die Lüge hinfällt schon bewiesen hat, dass er moderne RomComs mit Tempo inszenieren kann, setzt auch hier auf ein sehr klares Rezept: attraktive Hauptfiguren, schnelle Dialoge, New-York-Nachtleben, Nebenfiguren mit kurzen Auftritten und eine Idee, die ständig für neue Hindernisse sorgt. Das funktioniert vor allem dann, wenn der Film einfach bei Allie und Owen bleibt. Barbaro und Turner haben genug Chemie, um aus einer ziemlich künstlichen Ausgangslage echte Sympathie herauszuholen. Gerade ihre kleinen Gespräche, die Unsicherheit und die Tatsache, dass beide eigentlich romantischer sind als die Welt um sie herum, geben dem Film Wärme. Auch visuell profitiert das Ganze davon, dass New York nicht nur Kulisse ist. Die Stadt fühlt sich laut, überfüllt und rastlos an, was gut zu dieser absurden Ausnahme-Nacht passt.
Das Problem ist nur: Je länger man über diese Welt nachdenkt, desto weniger funktioniert sie. Eine Regierung verbietet vorehelichen Sex, implantierte Sensoren überwachen die Menschen, und trotzdem behandelt der Film dieses System meistens wie einen lustigen Party-Gag. Das wäre völlig okay, wenn die Satire richtig bissig wäre. Aber dafür bleibt One Night Only erstaunlich zahm. Der Film stellt viele interessante Fragen über Kontrolle, Dating, Einsamkeit und die Vermarktung von Intimität, beantwortet aber kaum eine davon. Stattdessen läuft vieles auf bekannte RomCom-Mechanik hinaus.
Auch die zahlreichen Cameos und Nebenfiguren sind ein zweischneidiges Schwert. Sie halten das Tempo hoch und sorgen für Abwechslung, aber manchmal fühlt sich die Nacht eher wie eine Reihe einzelner Sketche als wie eine wirklich organische Reise an. Dazu kommt, dass ein Film mit so einer provokanten Prämisse überraschend vorsichtig wirkt. Das macht ihn nicht schlecht, aber eben deutlich weniger mutig, als man zunächst erwartet. Und genau das ist schade, weil das Grundkonzept eigentlich genug Stoff für eine deutlich frechere Komödie oder eine viel schärfere Gesellschaftssatire liefern würde.
Am Ende bleibt deshalb ein Film, der besser funktioniert, sobald man seine eigene Idee nicht zu ernst nimmt. Als Liebeskomödie ist One Night Only charmant, flott und gut gespielt. Als Satire über staatliche Kontrolle und moderne Sexualität bleibt er dagegen viel zu oberflächlich. Monica Barbaro und Callum Turner retten erstaunlich viel mit ihrer Präsenz, und für einen lockeren Kinoabend reicht das durchaus. Für mich sind das 6,5 von 10 Punkten.
