Regisseurin Natalie Spinell sperrt sieben langjährige Freunde und drei deutlich jüngere Fremde in ein Chalet in den Tiroler Bergen. Juliane hat das Haus für ein gemeinsames Wochenende geöffnet, doch Alma, Tomek und Vince sind schon da und denken gar nicht daran zu gehen. Was als Streit um Eigentum beginnt, wird schnell zur Belastungsprobe für eine Freundesgruppe, die längst mehr verdrängt hat, als sie zugeben möchte.
Das ist ein dankbarer Kammerspiel-Aufbau: wenig Raum, viele Figuren und sofort klare Gegensätze. Nix ist fix funktioniert am besten, wenn der Film nicht entscheidet, wer recht hat, sondern die Selbstgewissheit auf beiden Seiten angreift. Die älteren Figuren haben gearbeitet, aufgebaut und Besitz geschaffen. Die Jüngeren stellen Eigentum, Leistungsdenken und klassische Lebensmodelle infrage. Das könnte schnell zur Karikatur werden – und manchmal passiert genau das. Einige Dialoge klingen weniger wie Menschen in einem echten Streit als wie zugespitzte Thesen aus einer Podiumsdiskussion. Gerade das junge Trio muss häufig erst eine Weltanschauung vertreten, bevor es als Gruppe wirklich greifbar wird.
Was den Film trotzdem trägt, ist das Ensemble. Julia Koschitz gibt Juliane eine angenehm klare Mischung aus Stolz und Verletzlichkeit. Brigitte Hobmeier und Friederike Kempter bekommen genügend Raum für scharfe Spitzen, während Maximilian Brückner, Katrin Wichmann, Marcel Mohab und Felix Hellmann dafür sorgen, dass die Runde nicht wie sieben Varianten derselben Figur wirkt. Natalie Spinell hält diese sehr dialoglastige Geschichte in Bewegung und nutzt die Enge des Chalets als Druckkammer. Ein kleiner Seitenhieb kann hier reichen, damit plötzlich etwas aufbricht, das jahrelang unter einer scheinbar stabilen Freundschaft versteckt war.
Und genau da wird Nix ist fix interessanter als in seiner Kapitalismusdebatte. Die drei Fremden sind eigentlich nur der Auslöser. Der Kern ist eine Gruppe von Menschen in der Mitte ihres Lebens, die feststellen muss, dass gemeinsame Vergangenheit nicht automatisch gemeinsame Gegenwart bedeutet. Karriere, Geld, Beziehungen, Alter und persönliche Krisen haben Spuren hinterlassen. Der Film fragt deshalb weniger, ob Besitz gut oder schlecht ist, sondern wie viel Ehrlichkeit eine Freundschaft aushält, bevor aus Vertrautheit Bequemlichkeit wird.
Ganz elegant gelingt das nicht. Für 88 Minuten liegen sehr viele Themen auf dem Tisch, und manche Wendung wirkt sichtbar dafür gebaut, noch eine weitere Sollbruchstelle freizulegen. Auch die gesellschaftlichen Positionen könnten öfter widersprüchlicher und weniger sauber verteilt sein. Wenn Nix ist fix seine Botschaften zu deutlich unterstreicht, verliert das Kammerspiel genau die Mehrdeutigkeit, die es eigentlich spannend macht.
Trotzdem bleibt ein lebendiger deutscher Fernsehfilm mit starkem Ensemble, Tempo und einem Konflikt, der näher am echten Alltag liegt als viele größere TV-Dramen. Nicht jede These sitzt, aber die Reibung sitzt oft genug. Damit lande ich bei 7 von 10 Punkten.
