Die Rettung einer Underdog-Geschichte
Coyote vs. Acme kam am 28. August 2026 in die US-Kinos und am 17. September in die deutschen Kinos. Dass dieser Film überhaupt noch erschienen ist, fühlt sich schon wie eine Looney-Tunes-Pointe an. Warner Bros. hatte die fertige Produktion 2023 ins Regal gelegt, bis Ketchup Entertainment sie Jahre später rettete. Diese Vorgeschichte gibt der Handlung eine fast absurd passende zusätzliche Ebene: Ein gebeutelter Außenseiter zieht gegen einen riesigen Konzern vor Gericht, der ihn immer wieder wie Wegwerfware behandelt hat.
Zwei Dauerverlierer gegen ACME
Nach Jahrzehnten, in denen ihm Raketen, Magnete, Sprungfallen und andere ACME-Produkte um die Ohren geflogen sind, hat Wile E. Coyote genug. Er tut sich mit dem erfolglosen Unfallanwalt Kevin Avery, gespielt von Will Forte, zusammen und verklagt den Konzern. Auf der Gegenseite steht Buddy Crane, gespielt von John Cena: ein aalglatter Firmenanwalt, der Geld, Selbstbewusstsein und institutionelle Macht geschickt als Waffen einsetzt. Kevin und Wile E. funktionieren überraschend gut als Paar, weil beide auf unterschiedliche Weise Dauerverlierer sind. Der eine scheitert vor Gericht, der andere seit einem ganzen Leben in der Wüste.
Cartoon-Timing mit einer tragfähigen Geschichte
Regisseur Dave Green behandelt die Looney Tunes nicht wie Museumsstücke. Der Film versteht den körperlichen Rhythmus der klassischen Cartoons und verbindet ihre Energie mit einer Gerichtskomödie, deren Geschichte die Gags tatsächlich trägt. Die Mischung aus Realfilm und Animation wirkt weniger wie eine technische Vorführung als wie ein selbstverständlicher Teil dieser Welt. Wile E. bleibt stumm, besessen, erfinderisch und auf eigentümliche Weise sympathisch. Forte passt besonders gut an seine Seite, weil Kevin denselben sturen Durchhaltewillen in menschlicher Form verkörpert – nur ohne Ambosse, die ihm auf den Kopf fallen.
Große Auftritte und echte Wärme
John Cena darf deutlich größer aufspielen. Buddy ist selbstgefällig, glatt und bewusst überzeichnet, doch seine Darstellung lässt den Film nie ganz in leere Parodie kippen. Lana Condor bringt als Paige zusätzlichen Schwung hinein. Die weiteren Looney-Tunes-Figuren erweitern die Welt, ohne dass jeder Auftritt wie ein erzwungener Nostalgieeffekt wirkt. Zugleich lässt der Film seinen Figuren gerade genug emotionalen Raum, damit Wile E. neben den echten Schauspielern nicht bloß wie eine digitale Requisite erscheint.
Der Biss der Konzernsatire
Die Konzernsatire gibt dem Film eine unerwartet scharfe Kante. Ihr Ziel ist ein System, das Kreativität und Menschen allein nach ihrem unmittelbaren finanziellen Wert bemisst. Durch die tatsächliche Produktionsgeschichte des Films trifft dieser Gedanke noch stärker. Die Geschichte verlangt aber nicht, dass man jedes Detail hinter den Kulissen kennt: Auch für sich genommen funktioniert sie als geradlinige Underdog-Komödie mit Herz.
Fazit
Makellos ist Coyote vs. Acme nicht. Manche Gags sind eher clever als wirklich zum Lachen, der Mittelteil verliert kurz an Tempo, und die Gerichtshandlung hätte noch bissiger sein können. Das sind jedoch kleinere Schwächen in einem Film, der mühelos zwischen Slapstick, Familienkomödie und Konzernsatire wechselt. Dass das Publikum ihn beinahe nie zu sehen bekommen hätte, wirkt dadurch noch absurder. Die Mischung verleiht dem Finale einen befriedigenden emotionalen Abschluss, ohne die anarchische Cartoon-Logik ganz aufzugeben. Für klassisches Looney-Tunes-Chaos, echte Underdog-Energie und weit mehr Herz als erwartet bekommt Coyote vs. Acme 8 von 10 Punkten.
