Roald Dahls böser Humor müsste Die Zwits zu einem ungewöhnlich bissigen Animationsfilm für die ganze Familie machen. Mr. und Mrs. Twit sind ein groteskes Paar, das sich gegenseitig demütigt und auch allen anderen das Leben schwer macht. Ihr Vergnügungspark Twitlandia gibt dieser Grausamkeit einen ganzen Spielplatz. Zwei Waisenkinder und eine Familie magischer Tiere stellen sich ihnen entgegen. Die Ausgangsidee bietet reichlich Raum für Einfälle, doch daraus entsteht keine durchgehend überzeugende Geschichte.
Ein Spielplatz visueller Einfälle
Die Animation ist die größte Stärke. Twitlandia steckt voller merkwürdiger Details, überzeichneter Figuren und unangenehmer Überraschungen. Dass diese Welt hässlich und chaotisch sein darf, statt immer niedlich zu wirken, gefällt mir. Manche Streiche besitzen genau die ungezähmte Energie, die der Stoff braucht. Man merkt den Animatoren die Freude daran an, im Bild immer neue Dinge zu verstecken. Als Abfolge visueller Ideen kann der Film unterhalten.
Die Geschichte findet keinen Zusammenhalt
Problematisch sind die Verbindungen zwischen diesen Ideen. Die Handlung wirkt häufig wie eine Aneinanderreihung von Sketchen, statt sich nachvollziehbar aus Entscheidungen und Konsequenzen zu entwickeln. Figuren kommen, verschwinden und tauchen wieder auf, sobald der nächste Gag sie benötigt. Dadurch wird das Abenteuer holprig, selbst wenn einzelne Momente lebendig sind. Die beiden jungen Helden müssten das emotionale Zentrum bilden, bleiben dafür aber zu dünn gezeichnet. Ihr Mut und ihre Freundschaft erhalten wenig Gewicht. Sympathischer als die Zwits zu sein ist leicht; als eigene Figuren im Gedächtnis zu bleiben deutlich schwieriger.
Nicht ganz so böse wie Dahl
Auch der Ton ist unsicher. Der Film greift nach der Gemeinheit von Dahls Fantasie, schleift sie dann aber zu sicherer, lauter Kinderunterhaltung ab. So steht er zwischen wirklich schwarzer Komödie und breitem Kinderabenteuer, ohne sich ganz für eine Richtung zu entscheiden. Die Sprecherleistungen sind ordentlich, doch das Ensemble bekommt zu wenig eigenständiges Material, um die flache Charakterzeichnung auszugleichen. Die Energie steigt, während die emotionale Beteiligung ziemlich gering bleibt.
Fazit
Die Zwits bietet genügend Merkwürdigkeiten und visuelle Einfälle für Kinder, die ein lautes, freches Abenteuer suchen. Ich hätte mir mehr Biss, stärkere Figuren und die emotionale Substanz gewünscht, die die Vorlage verspricht. Ein völliger Fehlschlag ist das nicht, aber die einprägsamen Designs verdecken die unausgewogene Erzählung nicht. Meine Wertung: 4 von 10 Punkten.
