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Merz gegen Merz: Entscheidungen – Komik mit echter Verletzlichkeit

Michael Wittenborn gibt dem Familien-Roadmovie Gewicht, Annette Frier und Christoph Maria Herbst bleiben sein verlässliches Zentrum.

Merz gegen Merz – Entscheidungen 🎭 Der bisher ernsteste Film der Reihe?
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„Merz gegen Merz – Entscheidungen“ ist der vierte Spielfilm der Reihe. Felix Stienz führt erneut Regie, Annette Frier und Christoph Maria Herbst spielen Anne und Erik Merz. Doch diesmal rückt ein anderer Familienzweig besonders stark ins Zentrum: Annes Eltern Maria und Ludwig.

Maria will ihre neue Partnerin Silvia heiraten. Für Ludwig, der mit Demenz lebt und noch immer mit Maria verheiratet ist, wird diese Nachricht zum Auslöser einer tiefen Krise. Als er verschwindet und eine letzte Reise in die Niederlande plant, setzt sich praktisch die gesamte Familie in Bewegung. Aus dem bekannten Beziehungschaos wird plötzlich ein Roadmovie, in dem jede Menge ungelöste Probleme mitfahren.

Das klingt deutlich schwerer als die frühen Staffeln der Reihe, und genau darin liegt die größte Stärke dieses Films. „Merz gegen Merz“ war nie harmlose Wohlfühl-Comedy, aber „Entscheidungen“ geht noch konsequenter in Richtung Tragikomödie. Ralf Husmann und Annekathrin Lang lassen ernste Fragen über Liebe, Einsamkeit, Alter und Selbstbestimmung auf den typischen trockenen Dialogwitz treffen. Die Übergänge funktionieren erstaunlich oft, weil die Figuren ihre Gefühle selten in großen Reden ausstellen. Sie streiten, weichen aus, machen schlechte Witze und sagen manchmal genau im falschen Moment das Richtige.

Vor allem Michael Wittenborn gibt dem Film emotionales Gewicht. Sein Ludwig ist nicht bloß der demenzkranke Vater, der für Missverständnisse sorgt. In den klaren Momenten wird spürbar, wie sehr ein Mensch darunter leiden kann, wenn die eigene Rolle innerhalb einer Familie plötzlich zu verschwinden scheint. Wittenborn spielt das zurückgenommen und ohne sentimentale Übertreibung.

Frier und Herbst bleiben gleichzeitig das verlässliche Zentrum. Ihre Chemie trägt selbst Szenen, die erzählerisch etwas zu routiniert wirken. Denn der Film hat auch ein Problem: Er will sehr viele Beziehungskrisen gleichzeitig bedienen. Anne, Erik, Leon, Soraya, Maria, Ludwig und weitere Figuren bekommen ihre Baustellen, wodurch einzelne Konflikte eher angerissen als wirklich vertieft werden. Optisch ist das zudem solide Fernsehware statt eines Roadmovies mit großer visueller Energie. Dafür setzt die Inszenierung ihre stärksten Akzente über Timing, Gesichter und einen melancholischen Soundtrack, der die leisen Momente wirkungsvoll unterstützt, ohne sie komplett zuzukleistern.

Trotzdem funktioniert „Entscheidungen“, weil die Mischung aus schwarzem Humor und echter Verletzlichkeit selten billig wirkt. Der Film kennt seine Figuren inzwischen gut genug, um selbst aus kleinen Blicken und Spitzen viel herauszuholen. Wer die Reihe kennt, bekommt eine ihrer erwachseneren und emotionaleren Fortsetzungen. Für Neueinsteiger ist das Beziehungsgeflecht etwas dichter, aber weiterhin verständlich. Insgesamt sind das für mich starke 7 von 10 Punkten.

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