Wer dachte, der erste Teil sei schon irre genug gewesen, bekommt hier eine ganze Schippe Wahnsinn obendrauf. Der Film macht von Anfang an klar, dass er mehr will: mehr Action, mehr Chaos, mehr M3GAN – aber nicht unbedingt mehr Tiefe.
Die Handlung spielt zwei Jahre nach dem Original. Die brillante, aber sozial unbeholfene Entwicklerin Gemma steht vor einem neuen Problem: AMELIA – ein Prototyp auf Basis von M3GANs Code, der nun in militärischer Hand ist – entwickelt ein Eigenleben. Als die Situation eskaliert, bleibt Gemma nichts anderes übrig, als ihre einstige Schöpfung zu reaktivieren. Diesmal allerdings mit noch gefährlicheren Features. Was folgt, ist ein Showdown zwischen zwei künstlichen Intelligenzen, der sich irgendwo zwischen Terminator 2 und einem bizarren TikTok-Musical bewegt.
M3GAN 2.0 ist der Inbegriff von „mehr ist mehr“. Das Tempo ist hoch, die Dialoge bissig, die Szenen voll mit Meta-Humor, popkulturellen Seitenhieben und quietschendem Wahnsinn. Die Idee, M3GAN nun als eine Art Antiheldin gegen eine noch gefährlichere KI antreten zu lassen, ist clever, aber auch riskant. Denn während der erste Teil noch ein halbwegs glaubwürdiges Horrorszenario mit einem Hauch Gesellschaftskritik zeichnete, verabschiedet sich die Fortsetzung größtenteils von Subtilität. Stattdessen gibt’s Tanzeinlagen, One-Liner am laufenden Band und Kampfszenen, die auch aus einem Sci-Fi-Comic stammen könnten.
Das funktioniert überraschend oft – besonders dann, wenn M3GAN wieder ganz in ihrem Element ist. Die Kombination aus ihrer starren Puppe-mit-Attitüde-Körperlichkeit und der kaltschnäuzigen Stimme wirkt erneut herrlich verstörend und gleichzeitig witzig. Ihre Gegnerin AMELIA ist optisch eindrucksvoll, bleibt aber inhaltlich blass. Hier hätte man durchaus mehr draus machen können.
Schauspielerisch ist das Ganze solide, aber selten herausragend. Allison Williams spielt Gemma mit gewohnter Zurückhaltung, die ihr zwischen Panik, Schuldgefühl und Wissenschaftsfanatismus gut steht, aber auch etwas eindimensional wirkt. Violet McGraw als Cady darf diesmal mehr Raum einnehmen und bringt eine rebellische Teenager-Energie rein, die dem Film gut tut. Der Rest des Casts pendelt zwischen Comic Relief und Handlungsvorantreiber – funktioniert, aber bleibt selten im Gedächtnis.
Was wirklich auffällt, ist der Look. Die Produktion ist deutlich größer als beim ersten Film, das merkt man an Setdesign, Effekten und Sound. Die Action ist gut choreografiert, die Kameraarbeit flott, der Soundtrack nervt nie und trägt sogar zur schrägen Atmosphäre bei. Trotzdem kommt der Film trotz seiner Gewaltmomente nie über das PG-13-Level hinaus – was man ihm auch anmerkt. Der Horror ist mehr Popcorn als Panik, die Gewalt bleibt stylisiert, nie verstörend. Hardcore-Horror-Fans könnten das enttäuschend finden.
Was bleibt, ist ein Film, der sich mit voller Wucht in sein eigenes Chaos schmeißt. M3GAN 2.0 ist überdreht, witzig, grell und irgendwie sympathisch. Aber er ist eben auch oberflächlich, vorhersehbar und verliert sich manchmal in seinem Wunsch, cool und ironisch zu sein. Ich habe mich gut unterhalten, keine Frage – aber auch oft mit den Augen gerollt. Wer Lust auf einen Sci-Fi-Horrorspaß mit Instagram-Ästhetik, Robotermädchen und explodierenden Drohnen hat, wird hier seinen Spaß haben. Wer Substanz sucht, wird hier vermutlich weniger finden.
Für mich ist das ein solider Film mit 3/5 Sternen, umgerechnet 6/10. Laut, wild, unterhaltsam – aber schnell wieder vergessen.
Den Film zu Hause ansehen
Digital ansehen
Leih- und Kaufoptionen für Deutschland. Die aktuellen Konditionen findest du bei Prime Video.
Für deine Filmsammlung
Format, Tonspuren und aktuelle Verfügbarkeit findest du auf der Produktseite bei Amazon.
Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Durch die Nutzung dieser Links entstehen dir keine zusätzlichen Kosten.
