Michael Epp spielt Hauptkommissar David Acosta, der gerade aus Valencia nach Galicien versetzt wurde. An seiner Seite ermitteln Dirk Borchardt als Adrián Martinez und Mercedes Müller als Mercédes Navarro. Gleich sein erster Fall beginnt dort, wo der Jakobsweg endet: am Cabo Fisterra, an der wilden Atlantikküste.
Zwei Pilgerinnen entdecken dort die Leiche von Sofía Serrano, einer Mitarbeiterin des Pilgerbüros von Santiago de Compostela. Schnell zeigt sich, dass ihr Tod nicht einfach in die malerische Kulisse passt. Sofía hatte beruflich mit Menschen zu tun, die aus völlig unterschiedlichen Gründen auf dem Jakobsweg unterwegs sind, und entsprechend weit verzweigt sich das Feld möglicher Verdächtiger. Eine Spur führt zu dem geheimnisvollen Pilger Carmelo, doch der Fall wird komplizierter, je tiefer das neue Team in Sofías Umfeld eindringt.
Die größte Stärke des Films liegt für mich zunächst eindeutig in seiner Atmosphäre. Galicien wird hier nicht als sonnige Tourismuswerbung fotografiert. Die Küste wirkt rau, windig und teilweise fast unwirtlich. Gerade das Cabo Fisterra, historisch als „Ende der Welt“ bezeichnet, gibt dem Krimi eine passende Schwere. Christian Hucks Kamera nutzt Nebel, Steilküste, enge Gassen und dunkle Innenräume, sodass die Landschaft nicht nur hübscher Hintergrund bleibt, sondern ein Teil der Stimmung wird.
Interessanter als das eigentliche Täterrätsel ist aber fast die Konstellation des Ermittlerteams. David Acosta kommt als neuer Chef von außen und stößt auf einen erfahrenen Kollegen, der sich selbst Hoffnungen auf diese Position gemacht hat. Adrián Martinez akzeptiert seinen Vorgesetzten deshalb nicht einfach widerspruchslos. Mercédes Navarro sitzt zwischen diesen beiden starken Persönlichkeiten und entwickelt sich schnell zur Figur, die Ruhe und Beobachtung in das Trio bringt. Das gibt dem Film Reibung, ohne dass daraus sofort eine typische Buddy-Komödie wird.
Auch Religion ist mehr als bloße Dekoration. Santiago de Compostela, Pilgerbüro, Kirchenräume und die Erwartungen an einen Ort, der für Millionen Menschen spirituelle Bedeutung besitzt, bilden einen spannenden Gegensatz zu einem Mordfall. Gleichzeitig interessiert sich der Film für die wirtschaftliche Seite des Pilgerns. Wo viele Menschen Hoffnung, Sinn oder einen Neuanfang suchen, entstehen eben auch Geschäfte, Abhängigkeiten und Gelegenheiten für Betrug.
Nicht alles funktioniert gleich gut. Der Fall verteilt seine Aufmerksamkeit auf viele Figuren und Motive, wodurch die Ermittlungen stellenweise etwas schwerfällig wirken. Manche Verdachtsmomente fühlen sich eher wie Stationen an, die abgearbeitet werden müssen, als wie wirklich überraschende Entwicklungen. Dafür tragen die Hauptdarsteller und die starke Bildgestaltung den Film zuverlässig durch ruhigere Passagen.
Die Tote vom Jakobsweg ist deshalb weniger ein nervenzerreißender Thriller als ein atmosphärischer Auftakt mit einem ungewöhnlichen Schauplatz und einem Ermittlertrio, das Potenzial besitzt. Besonders die Mischung aus rauer Landschaft, religiöser Symbolik und persönlichen Spannungen hebt den Film von austauschbarer Krimikost ab. Für mich reicht das für 7 von 10 Punkten.
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