Kevin Hart spielt Joe, einen vierzigjährigen Werbemanager aus New York, dessen Chefs ihm vorwerfen, den Anschluss an die junge Zielgruppe verloren zu haben. Als er versehentlich in einem Gruppenchat für einen Junggesellenabschied landet, sieht Joe seine Chance: Er reist mit vier Mittzwanzigern nach Miami und will aus dem Wochenende nebenbei Material für eine angeschlagene Kampagne gewinnen.
Die Idee ist eigentlich ziemlich clever, weil sie Kevin Harts eigene Karriere gleich mitkommentiert. Ein etablierter Comedystar trifft auf eine jüngere Generation, deren Sprache, Humor und Grenzen er nicht mehr vollständig versteht. Genau daraus könnte eine scharfe Komödie über Alter, Relevanz und den verzweifelten Versuch entstehen, cool zu bleiben. Der Film erkennt dieses Potenzial sogar. Joe wird regelmäßig zum Ziel der Witze, während seine neuen Begleiter keineswegs nur als oberflächliche Gen-Z-Karikaturen funktionieren.
Vor allem Marcello Hernández, Ben Marshall, Kam Patterson und Mason Gooding bringen eine angenehm lockere Gruppendynamik mit. Hernández besitzt sofort Leinwandpräsenz, Marshall bekommt einige der besseren komischen Momente, und Hart funktioniert immer noch am besten, wenn andere Figuren seine Energie kontern. In diesen Szenen wirkt 72 Hours wie eine moderne Ensemblekomödie, die Generationen tatsächlich miteinander spielen lässt.
Leider vertraut der Film dieser Stärke viel zu wenig. Statt die Figuren und den Generationenkonflikt auszureizen, landet er schnell bei bekannten Eskalationen: Luxuspartys, Drogen, peinliche Missverständnisse und immer größere Probleme. Das erinnert nicht zufällig an The Hangover. Nur fehlen hier dessen Präzision, Überraschung und das Gefühl, dass jede neue Katastrophe logisch aus der vorherigen entsteht. Vieles wirkt eher wie eine Liste dessen, was in einer derben Junggesellenabschiedskomödie eben passieren soll. Selbst Miami wird dabei eher als austauschbare Party-Kulisse benutzt, obwohl Sonne, Luxus und Nachtleben eigentlich perfekte Zutaten für einen deutlich eigenständigeren Sommerfilm wären.
Auch Tim Story inszeniert das Ganze routiniert, aber selten mit echtem Tempo. Die Bilder sind glatt, die Produktion wirkt teuer genug, doch visuell besitzt kaum eine Szene eine eigene Handschrift. Gerade wenn die Handlung endlich völlig entgleisen könnte, wird die Energie wieder gebremst. Dazu kommt, dass Teyana Taylor als Joes Partnerin viel zu wenig zu tun bekommt. Ihre Beziehung soll emotional wichtig sein, bleibt aber über weite Strecken außerhalb des eigentlichen Films. Damit verschenkt 72 Hours ausgerechnet die Ebene, die Joes Midlife-Crisis mehr Gewicht geben könnte.
Ganz ohne Charme ist das Ergebnis trotzdem nicht. Die jüngere Besetzung funktioniert, Hart kann weiterhin hervorragend auf Spott reagieren, und die Grundidee besitzt mehr Selbstironie, als der Trailer zunächst vermuten lässt. Aber vier Drehbuchautoren finden erstaunlich wenig frische Wege durch eine sehr bekannte Partyformel. 72 Hours möchte beweisen, dass Joe noch nicht von gestern ist, und wirkt dabei selbst überraschend oft wie eine Komödie von gestern. Für ein paar gute Chemie-Momente, aber zu wenig neue Ideen, bleiben vier von zehn Sternen.
