Toxic Town schlägt ein wie eine Bombe. Die Serie basiert auf wahren Begebenheiten, die sich in der englischen Stadt Corby ereignet haben. Es geht um einen der größten Umweltskandale Großbritanniens, bei dem giftige Industrieabfälle unsachgemäß entsorgt wurden – mit verheerenden gesundheitlichen Folgen für die dort lebenden Menschen, insbesondere für Neugeborene. Klingt schon heftig, oder? Ist es auch. Diese Serie nimmt einen emotional mit, schockiert und lässt einen lange nicht mehr los.
Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, die einen fast aussichtslosen Kampf gegen Behörden und Unternehmen führen, nachdem ihre Kinder mit Fehlbildungen auf die Welt gekommen sind. Jodie Whittaker, die vielen als erste weibliche "Doctor Who" bekannt sein dürfte, liefert hier eine ihrer stärksten Leistungen überhaupt ab. Sie spielt Susan McIntyre, eine Mutter, die gegen alle Widerstände für Gerechtigkeit kämpft. Sie bringt eine unglaubliche Intensität in ihre Rolle, die von Wut, Verzweiflung, aber auch unerschütterlicher Entschlossenheit geprägt ist. Aimee Lou Wood, bekannt aus "Sex Education", spielt Tracey Taylor, eine junge Frau, die den Tod ihres Kindes verarbeiten muss. Ihre Performance ist roh, ehrlich und zutiefst berührend. Auch Claudia Jessie und Robert Carlyle brillieren in ihren Rollen und verleihen der Geschichte noch mehr emotionale Tiefe.
Die Serie zeigt nicht nur den persönlichen Schmerz der Betroffenen, sondern auch die politische und juristische Dimension des Skandals. Der Rechtsstreit, der sich über Jahre zog, wird packend inszeniert, ohne jemals zu trocken oder zu überladen zu wirken. Die Dialoge sind scharf, glaubwürdig und oft von einem unterschwelligen Zynismus durchzogen, der perfekt zu dem Thema passt. Die Wut der Protagonistinnen ist spürbar, und das Drehbuch gibt ihnen genug Raum, um diese glaubhaft auszuleben. Die juristischen Auseinandersetzungen und die unfassbare Arroganz der Verantwortlichen treiben einen regelrecht zur Weißglut. Man möchte die Faust ballen und die Ungerechtigkeit hinausbrüllen.
Visuell ist die Serie eher düster gehalten, was zur bedrückenden Atmosphäre passt. Die Regisseurin Minkie Spiro setzt auf unaufgeregte, fast dokumentarische Bilder, die die Geschichte noch realistischer wirken lassen. Es gibt keine effekthascherischen Momente, keine übertriebenen dramatischen Musikuntermalungen – stattdessen ist alles nüchtern, rau und dadurch umso erschütternder.
"Toxic Town" ist keine Serie, die man einfach mal so nebenbei schauen kann. Sie verlangt Aufmerksamkeit und lässt einen nachdenklich zurück. Wer auf tiefgründige, gesellschaftskritische Dramen steht, die nicht nur gut gespielt, sondern auch intelligent geschrieben und inszeniert sind, sollte sich diese Serie auf keinen Fall entgehen lassen. Sie zeigt, was passiert, wenn Profitgier über Menschlichkeit gestellt wird – und warum es sich lohnt, niemals aufzugeben.
